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Zahlreiche dieser Aufkleber sind in der Region zu sehen.
Zahlreiche dieser Aufkleber sind in der Region zu sehen. © Twitter/SEBSAVARD
17.10.2016

Generalprobe für KSC-VfB-Derby und Hass-Plakate geben zu denken

Die Ausschreitungen beim Spiel des KSC gegen den 1. FC Nürnberg offenbaren Lücken im Sicherheitssystem. Welche Folgen haben die Randale? Die PZ antwortet auf die wichtigsten Fragen.

Wie werden die Ausschreitungen aufgearbeitet?

Am Montag diskutierten am Adenauerring Polizei, Verein und Fanbetreuer miteinander. Wahrscheinlich ging es dabei auch um die riesige Fahne, unter der sich die FCN-Chaoten – geschützt vor Videoaufnahmen – vermummt hatten. Dass diese in den Block genommen werden durfte, kritisierte Polizeisprecher Martin Plate am Sonntag gegenüber der PZ.

Wer wird bestraft?

Zum einen der FCN, weil seine „Fans“ zündelten. Zum anderen rechnet auch der KSC mit einer Strafe – wegen des Fehlverhaltens seiner Anhänger und weil er für die Kontrollen verantwortlich war. Polizeisprecher Plate kündigte an, Aufnahmen auszuwerten, um weitere Täter zu überführen. Vor einem Monat hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass Vereine Geldstrafen an die verantwortlichen Chaoten weiterreichen können. Zur Frage, ob dies auch den beiden festgenommenen Karlsruhern blühen kann, wollte sich KSC-Pressesprecher Jörg Bock nicht äußern: Zunächst müsse man abwarten, was die polizeilichen Ermittlungen ergeben. Denn den Verdächtigen müsse ja zunächst einmal eine konkrete Tat nachgewiesen werden. Selbstverständlich wolle man Personen, die die Sicherheit gefährden, nicht im Wildpark haben. Ihnen drohen Stadionverbote.

Welche Folgen haben die Hass-Plakate für das Derby?

Nur noch 2000 Karten waren am Montagnachmittag für das Lokalduell am 30. Oktober gegen den VfB Stuttgart zu haben. Schon jetzt beschäftigt das Derby wegen Aufklebern, die auch in Pforzheim geklebt wurden, die Polizei: „Tod dem VfB“ steht darauf. Und: „Schwaben jagen, Schwaben schlagen.“ Der Karlsruher SC wird nach einer Plakataktion einiger seiner Anhänger im Vorfeld des emotionsgeladenen baden-württembergischen Derbys gegen den VfB Stuttgart Strafanzeige gegen unbekannt stellen.

"Wir sind entsetzt über diese Hass-Plakate. Damit wurde eindeutig eine Grenze überschritten und zur Gewalt aufgerufen", bestätigte KSC-Präsident Ingo Wellenreuther am Montag einen entsprechenden SWR-Bericht. "Da müssen sich jetzt die Ermittlungsbehörden darum kümmern."

Seit dem Wochenende waren in der Karlsruher Innenstadt an vielen Stellen schwarze Plakate aufgetaucht, auf denen unter der Überschrift «Tod dem VfB - Schwaben schlagen, Schwaben jagen» unter anderem ein konkreter Treffpunkt vorgeschlagen wird. Der ehemalige Richter und CDU-Bundestagsabgeordnete Wellenreuther bat die KSC-Fans um Hilfe bei der Aufklärung: «Wir würden uns freuen, wenn es aus der Szene Hinweise auf die Urheber der Plakate gibt.»

Der KSC-Fan-Dachverband "Supporters" verurteilte die Aktion. "Ich habe kein Problem damit, wenn man sich gegenseitig mit Wortwitz bekämpft und auf die Schippe nimmt. Das gehört zu einem guten Derby meiner Meinung nach auch dazu". sagte der Vorsitzende Martin Löffler der Deutschen Presse-Agentur. "Aber jede Aktion, die nur darauf abzielt, Gewalt gegen Andersdenkende zu provozieren, lehnen wir ab. Denn sie entspricht nicht unseren Werten."

Seit Montag läuft der freie Vorverkauf für die restlichen Tickets des Spiels, das unter höchsten Sicherheitsmaßnahmen stattfinden wird. Beide Fangruppen sind traditionell miteinander verfeindet. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Aktionen und gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben.

Ähnliche Aufkleber („Tod und Hass dem KSC“) werden auch in VfB-Kreisen angeboten: 50 Stück für fünf Euro.

Weitere Fragen und Antworten (Wieso gingen die Tore auf der Gegengerade auf?) lesen Sie am Dienstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

Mehr zum Thema: KSC unterliegt Nürnberg - Fanrandale überschattet die Partie

Mehr zu den Lücken im KSC-Sicherheitssystem gibt es auch auf dem Snapchat-Account der PZ. Die „Pforzheimer Zeitung“ ist dort unter dem Nutzernamen pznews zu finden. Alternativ kann auch einfach der auf dieser Seite abgebildete Snap-Code mit dem Smartphone abgescannt werden. Dann erkennt der Dienst automatisch den Account.

Umfrage

VfB-Hassplakte in Karlsruhe und Pforzheim – Geht das zu weit?

Ja, ganz eindeutig 79%
Grauzone, muss nicht sein 6%
Nein, das gehört dazu 15%
Stimmen gesamt 636

HWB
19.10.2016
Generalprobe für KSC-VfB-Derby und Hass-Plakate geben zu denken

Und am nächsten Tag wieder miteinander arbeiten ... effentuell sogar Leben retten...!? Warum den Fußball so missbrauchen? mehr...