Beim «Geisterspiel» des KSC steigt die Party vor dem Stadion
Beim «Geisterspiel» des KSC steigt die Party vor dem Stadion
© Kaiser

Heftige DFB-Schelte nach dem Geisterspiel KSC - Osnabrück

Vier Ex-Karlsruher in Osnabrücks Reihen, ein verschossener Elfmeter und Chancen en masse: Sportlichen Gesprächsstoff hätte es nach dem Drittliga-Duell zwischen dem VfL Osnabrück und dem Karlsruher SC zur Genüge gegeben. Indes: In den ersten Kommentaren nach dem 1:1 im Karlsruher Wildparkstadion war all das kein Thema. Vielmehr entlud sich am Mittwochabend bei Kickern wie Trainern zunächst einmal der Frust über die vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) geschaffenen Rahmenbedingungen. Dieser hatte den KSC nach Fan-Krawallen zu einem Geisterspiel verurteilt.

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Am deutlichsten wurden dabei nicht einmal die KSC-Profis – auch wenn Rechtsverteidiger Dennis Kempe von einem „komischen Gefühl“ und Torwart Dirk Orlishausen von einem „Katastrophengefühl“ berichtete. In Rage redete sich jedoch Gästetrainer Claus-Dieter Wollitz: Hatte er anfangs nur „bedauert, dass die Entscheidung so getroffen wurde“, wurde sein Statement mehr und mehr zu einem Frontalangriff auf den DFB: „Ich verstehe nicht, dass man einen Verein, der schon den bitteren Abstieg hinnehmen musste, jetzt auch noch so bestrafen muss“, monierte der 47-Jährige. „Ein Teilausschluss wie bei anderen wäre hier doch auch möglch gewesen.“

Fans hätten Spaß gehabt

Weniger wütend, dafür umso wehmütiger, klang da sein Karlsruher Trainerkollege: „Bei dem Tempo und den vielen Strafraumszenen hätten die Zuschauer Spaß an diesem 1:1 gehabt“, so Markus Kauczinski. Fast schon trotzig ergänzte der Coach: „Darum geht es schließlich im Fußball.“

Dass zuvor trotz des Geisterspiels Anfeuerungsrufe ins Stadioninnere gedrungen waren, lag an den gut 1000 Anhängern, die sich auf dem benachbarten Birkenparkplatz zum Public Viewing getroffen hatten: Von dort wehten Gesänge zu den Spielern hinüber.

Staffeldts traurige Rückkehr

Doch auch diese änderten nichts daran, dass die Profis beider Seiten enttäuscht auf die leeren Ränge blickten. Besonders für Timo Staffeldt, der 16 Jahre lang das Trikot des KSC getragen hatte, war es eine ungewöhnliche Partie. „Da kommt man nach so vielen Jahren bei einem Verein erstmals als Gegner hierher und steht plötzlich vor leeren Rängen“, sagte der Mittelfeldspieler. Und Simon Zoller, ein weiterer Ex-Karlsruher, ergänzte: „Heute wären viele Leute gekommen, da ist es schon traurig, dass keine Fans da sind.“

Fast keine. Denn gemeinsam mit seinen Mitstreitern erklomm Zoller nach Schlusspfiff die Stufen der Gästekurve, um am Zaun mit 35 Fans zu feiern. Sie waren mit nach Karlsruhe gekommen und hatten das Spiel gemeinsam mit den KSC-Fans vor der Großbildleinwand verfolgt.