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Tendenziell zufrieden ist Sportvorstand Jan Schindelmeiser nach 100 Tagen beim VfB Stuttgart. Generell ist Zurückhaltung sein Markenzeichen. Foto: dpa
Tendenziell zufrieden ist Sportvorstand Jan Schindelmeiser nach 100 Tagen beim VfB Stuttgart. Generell ist Zurückhaltung sein Markenzeichen. Foto: dpa
18.10.2016

Jan Schindelmeiser seit 100 Tagen Sportvorstand beim VfB Stuttgart

Jan Schindelmeiser ist seit genau 100 Tagen Sportvorstand beim VfB Stuttgart. Große Worte und Emotionen sind nicht die Sache des 52-Jährigen, der mit dazu beitragen soll, dass die Schwaben in der Fußball-Bundesliga bald wieder erstklassig spielen.

Jan Schindelmeiser ist am Mittwoch 100 Tage Sportvorstand des VfB Stuttgart. Nur einmal ist er sich während dieser Zeit öffentlich untreu geworden. Bei der wichtigen und emotionalen Mitgliederversammlung des Zweitligisten rief er den gut 3000 Fans zu: „Haltet durch. Wäre doch geil, wenn wir hier im Mai zusammensitzen und eine große Party feiern.“ Der Applaus war ihm sicher – und die von Schindelmeiser ausgestrahlte Zuversicht mit Blick auf den direkten Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga bei der Wahl von Wolfgang Dietrich zum Präsidenten sicherlich kein Nachteil.

Nach dem jüngsten 0:5 bei Dynamo Dresden hätte Schindelmeiser das wohl nicht gesagt. Aber auch unter dem Eindruck des berauschenden 4:0 gegen die SpVgg Greuther Fürth bei der Heim-Premiere des neuen Trainers Hannes Wolf waren diese Wortwahl und die Emotionalität absolut untypisch für Schindelmeisers Anfangszeit beim VfB.

Der 52-Jährige legt viel Wert auf Zurückhaltung. „Ich möchte aktuell nicht beschreiben, wo wir hinkommen könnten, ich möchte auch nicht meine Wünsche oder Träume skizzieren“, betonte er: „Es ist den Menschen in den letzten Jahren zu häufig prognostiziert worden, wo man in drei bis fünf Jahren stehen kann.“

Zudem möchte der ehemalige Manager von 1899 Hoffenheim auf keinen Fall als alleiniger starker Mann wahrgenommen werden: „Ich verstehe mich nicht als denjenigen, der vorweg läuft und ruft: alle mir nach. Das hat es zu häufig gegeben beim VfB Stuttgart.“

Durchsetzen kann er sich aber. Carlos Mané, Takuma Asano und Benjamin Pavard kamen, obwohl Jos Luhukay sich dagegen aussprach. Wenig später trat der Trainer zurück. Nicht nur für die Entscheidung, Wolf aus der Jugendabteilung von Borussia Dortmund als Nachfolger zu verpflichten, bekam Schindelmeiser viel Lob. Angesprochen auf die Trennung von Luhukay vermeidet Schindelmeiser jegliches Nachtreten. Ihm ist wichtig, dass der VfB intern zur Ruhe kommt: „Mein Eindruck war, dass in den letzten Jahren von der Kultur, die diesen Verein ausgezeichnet hat, einige Facetten verloren gegangen sind.“

Von 2006 bis zum Sommer 2010 war Schindelmeiser beim rasanten Hoffenheimer Aufstieg von der Regionalliga bis zum Herbstmeister der Bundesliga einer der Macher. Bis zu seiner Berufung in den VfB-Vorstand stand er dann eher im Hintergrund, pflegte Kontakte. Schindelmeiser beriet Unternehmen, die Sponsor werden wollten, bei der Suche nach einem passenden Club.

Alten Porsche restauriert

Privat erfüllte er sich den Traum eines eigenen Porsche 911 und verbrachte mit Freunden viel Zeit damit, den Oldtimer zu restaurieren. Gelegenheit, den silberfarbenen Sportwagen zu fahren, hatte er bisher kaum. „Man muss sich Auszeiten nehmen, um Energie zu gewinnen, das stimmt. In den letzten Wochen und Monaten gab es diese Zeit eher nicht, aber das ist auch nicht schlimm. Wir machen das gerne“, sagte er. Daran ändert auch der Status als Dauergast eines Hotels in Stadion-Nähe nichts.

Mit seiner 100-Tage-Bilanz ist Schindelmeiser tendenziell zufrieden. „Wir haben einige Entscheidungen getroffen, die notwendig waren und sich im Nachhinein als richtig herausgestellt haben“, berichtete der ehemalige Sport-, Politik-, Publizistik- und BWL-Student: „Aber etwas erreicht haben wir natürlich noch nicht.“