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12.08.2008

Judo-Gold: „Schlafmütze“ Bischof bringt Trainer zum Weinen

PEKING. Kaum hatte Ole Bischof olympisches Gold erobert, schnappte er sich seinen Trainer Frank Wieneke und trug ihn wie einen römischen Imperator hoch auf den Schultern durch die Pekinger Judo-Halle. Der Olympiasieger im Halbmittelgewicht schien gefasst, seinem Trainer jedoch standen die Tränen in den Augen.

Bischof hat mit seinem Erfolg, bei dem er zwischen den Kämpfen sogar Zeit und Nerven zum Schlafen fand, für den größten Erfolg der deutschen Judo-Männer seit zwölf Jahren gesorgt. Der Leipziger Udo Quellmalz war 1996 bislang letzter deutscher Olympiasieger.

„Ich hatte nie das Gefühl, dass es mit Gold klappen könnte. Ich habe nur von Kampf zu Kampf gedacht“, gestand der Europameister von 2005 nach dem Finalsieg gegen Asienmeister Kim Jaebum aus Südkorea. „Ausschlaggebend war heute die bessere Kondition. Dafür habe ich viel und hart trainiert“, sagte der fünfte deutsche Olympiasieger seit 1964. Vor ihm hatten Dietmar Lorenz (1980), Frank Wieneke (1984), Udo Quellmalz (1996) und Yvonne Bönisch (2004) höchste olympische Ehren eingeheimst. „Wir waren auf alles vorbereitet. Alle 35 möglichen Gegner hatten wir zu Hause analysiert und Griffstrategien vorbereitet.“

Als Außenseiter an den Start gegangen, kämpfte sich der 28 Jahre alte Reutlinger mit erstaunlichem Selbstbewusstsein und überragender Kondition durch das Turnier. Sein Viertelfinal-Gefecht gegen Weltmeister Tiago Camilo war dabei das Glanzstück: Zweimal katapultierte er den Brasilianer auf die Matte. Auch das ukrainische Kraftpaket Roman Gontjuk, Olympia-Zweiter von Athen, räumte der Student der Volkswirtschaft in der Vorschlussrunde aus dem Weg. Asienmeister Kim Jaebum aus Südkorea erging es im Finale nicht besser. Mit einer Fußtechnik, die ihm einen Yuko (mittlere Wertung) einbrachte, bugsierte er den Südkoreaner auf die Matte.

Bischof gehört seit Jahren zur internationalen Spitze. Der große Wurf war ihm zuvor aber nur einmal gelungen. 2005 wurde der Student der Volkswirtschaft Europameister in der 81-Kilo-Klasse. Bei Weltmeisterschaften indes kam er nicht über das Prädikat „teilgenommen“ hinaus.