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Wo anderen Kletterern die Kraft ausgeht – nämlich in dieser Route im DAV-Sektionszentrum – kann Luis Gerhardt noch locker fürs Foto posieren. Foto: Ketterl
Wo anderen Kletterern die Kraft ausgeht – nämlich in dieser Route im DAV-Sektionszentrum – kann Luis Gerhardt noch locker fürs Foto posieren. Foto: Ketterl
Eingespieltes Team: Der 15-jährige Luis sichert seine 13-jährige Schwester Emilie. Foto: Ketterl
Eingespieltes Team: Der 15-jährige Luis sichert seine 13-jährige Schwester Emilie. Foto: Ketterl
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Luis und Emilie Gerhardt superschnell auf dem steilen Weg nach oben

Das Pforzheimer Geschwisterpaar Luis und Emilie Gerhardt klettert um den deutschen Meistertitel mit. Sie erkämpfen sich Wettkampferfolge an der Kletterwand und meistern extrem schwere Routen am Fels.

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Den Grad der Schwierigkeit beim Klettern zu beschreiben, ist… schwierig. Denn wenn jemand klettert wie die Pforzheimer Geschwister Luis und Emilie Gerhardt, dann verschwinden für den Zuschauer die Schwierigkeiten. Alles wirkt spielerisch und leicht. Wie bei Portugals Fußball-Star Cristiano Ronaldo. Man sieht seinen Drehungen und Übersteigern nicht an, wie viel Kraft und Technik dahinter steckt. Aber jeder Kreisligakicker weiß, dass es dazu mehr braucht als hartes Training. Dazu muss man ein Ausnahmetalent sein. So wie Luis und Emilie Gerhardt im Sportklettern.

Gerade ist der 15-Jährige im französischen Buoux „La Rose et le Vampir“ geklettert. Eine glatte 10. Und wem diese Bewertung nichts sagt: In den 80er-Jahren zählte „La Rose“ noch zu den schwersten Felskletterrouten der Welt. Und noch vor Kurzem wurden 15-Jährige, die Ähnliches leisteten, als Wunderkinder gefeiert.

Ganz kommt Emilie noch nicht an diese Leistung ran, aber dass sie mit ihren 13 Jahren schon im 9. Grad unterwegs ist, zeigt ihr Potenzial. „Damit klettert sie deutlich schwerer als ich im gleichen Alter“, erkennt ihr Bruder stolz an.

Ein bisschen ist Klettern in diesem Schwierigkeitsgrad so, als ob man einen Klimmzug am Türrahmen machen wollte. Die meisten kriegen dabei nicht mal die Füße vom Boden weg. Luis und seine Schwester steigen an Griffen dieser Größe 30 Meter hohe Wände hinauf.

Groß geworden sind die beiden in der Jugend der Pforzheimer Alpenvereinssektion. Seit drei Jahren – damals war für beide noch der sechste Grad das Limit – trainieren sie in der Leistungsgruppe des Deutschen Alpenvereins (DAV) Karlsruhe. Nach ersten Wettkampferfolgen sind beide nun in den baden-württembergischen Landeskader aufgenommen worden.

In der B-Jugend klettern die Geschwister um die deutsche Meisterschaft mit. Den ersten der drei Cups der Serie Anfang Mai in Balingen hat Luis gewonnen, Emilie wurde Fünfte. „Ich bin ganz zufrieden. Vor mir waren am Ende nur Ältere“, sagt die 13-Jährige, die auf Bundesebene erst mal Erfahrung sammeln will. Einen Podestplatz im Baden-Württemberg-Cup hat sie allerdings fest im Visier. 2011 war sie bereits süddeutsche Meisterin im Kids-Cup.

Für Luis, der auch Europacups klettert und in den Sichtungskader der Nationalmannschaft aufgenommen wurde, könnte am Ende sogar der deutsche Meistertitel rausspringen. Zwar gibt er selbst bescheiden „das Podest“ als Ziel aus, räumt aber auf die Titelfrage ein: „Die Chancen stehen gut.“ Das Können dazu hat er – jetzt muss bei den deutschen Jugendcups in Ingolstadt am 6./7. Oktober und in Frankenthal am 20./21. Oktober nur noch der Kopf mitspielen.

Auch wenn er in der Wand aufgrund der guten Absicherung die Angst vor dem Stürzen völlig ausblenden kann: „Vor dem Wettkampf bin ich schon immer ziemlich nervös.“ Klar: Rutscht ihm nur einmal der Fuß weg, ist es vorbei. Wer abtropft und ins Seil fällt, ist raus. Eine zweite Chance gibt es nicht.

Dass das nicht passiert, wird hart trainiert – vier- bis fünfmal pro Woche: Mit Leistungstrainer Georg Göbel in Karlsruhe oder mit den Landestrainern Damaris Knorr und Alexander Hille am Stützpunkt in Stuttgart, oder auch im Pforzheimer Sektionszentrum.

Das bringt viel Fahrerei mit sich. „Im Auto wird dann oft gelernt“, sagt Anja Gerhardt, die Mutter von Luis und Emilie, die beide am Pforzheimer Keplergymnasium sind. Was sagen dort eigentlich die Klassenkameraden zum Hobby der Geschwister? Emilie lächelt verlegen: „Die meisten finden es cool, haben aber ziemlich wenig Ahnung.“

Genug geredet. Luis zwängt seine Füße in die engen Kletterschuhe, bindet das Seil am Klettergurt ein und steigt in den zehn Meter hohen Überhang in der Pforzheimer Kletterhalle ein. Gesichert von seiner Schwester fliegt er die Wand hoch, hangelt sich von einem Griff zum nächsten, lässt plötzlich die Beine kommen und baumelt einhändig in der Wand. Lässig greift er mit der anderen in den Magnesiabeutel und pustet grinsend das überschüssige weiße Pulver von seinen Fingern. Große Show für den Fotografen und das PZ-news-Filmteam. Und unten stehen die anderen Kletterer, die wissen, wie sehr sie sich gleich in der selben Route abmühen werden.

Autor: Sven Bernhagen

29.06.2012

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