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Konzentration auf das nächste Gerät:  Marcel Nguyen im Dress der KTV Straubenhardt vor einer Barrenübung.
Konzentration auf das nächste Gerät: Marcel Nguyen im Dress der KTV Straubenhardt vor einer Barrenübung.
© Gössele

Marcel Nguyen „Mein großes Ziel ist Olympia“

Marcel Nguyen ist momentan der erfolgreichste deutsche Turner. Doch die WM in Rotterdam kann er nur als Zuschauer verfolgen, weil er sich in der Vorbereitung das Wadenbein brach. So war er am Mittwoch zu Gast beim großen Ehrungsabend zur Sportlerwahl von Pforzheimer Zeitung und Volksbank Pforzheim, für die sein Bundesliga-Verein KTV Straubenhardt nominiert war. Dort hat PZ-Redakteur Udo Koller mit dem 23-Jährigen gesprochen.

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Sie sind amtierender Mannschafts-Europameister, amtierender deutscher Mehrkampfmeister und mit der KTV Straubenhardt auch amtierender deutscher Mannschaftsmeister – aber während die deutschen Turner bei der WM in Rotterdam um Edelmetall kämpfen, müssen Sie zu Hause sitzen.

Wie bitter ist das?

Marcel Nguyen: Das ist natürlich ärgerlich, weil ich gut vorbereitet war. Ich bin deutscher Meister, ich hatte mich für die WM qualifiziert und bin natürlich traurig, dass ich nicht dabei bin. Aber mein großes Ziel ist ja Olympia 2012 in London.

Wie geht es dem gebrochenen Wadenbein? Wie verläuft die

Heilung?

Nguyen: Ganz gut eigentlich. Ich laufe schon seit ein paar Tagen wieder ohne Krücken. Ich fange wieder an mit Training und bin, so denke ich, bald wieder fit.

Sie haben sich in einem Länderkampf in der Schweiz bei einem

Dreifach-Tsukahara am Boden das

Wadenbein gebrochen. Was ist da schief gelaufen?

Nguyen: Das ist ein sehr schwerer Sprung. Mir hat zum Schluss etwas weniger als eine Vierteldrehung gefehlt. Da bin ich halt blöd aufgekommen. Mein Bein ist stehen geblieben, der Körper hat sich weiter gedreht. Das war‘s.

Wie verfolgen Sie die WM aus der Ferne, nachdem das Fernsehen kaum berichtet?

Nguyen: Es ist schade, dass kaum etwas im Fernsehen kommt, außer am Sonntag. Ich schau halt im Internet, da gibt es einen Live-Ticker.

Was trauen Sie den deutschen Turnern in den Gerätefinals noch zu?

Nguyen: Fabian Hambüchen und Philipp Boy haben bestimmt Chancen am Reck. Sie haben beide schwere Übungen und turnen sehr schön.

Fabian Hambüchen war mehrere Jahr unangefochtener Leitwolf im Team. Zuletzt hatte man das Gefühl, dass einzelne Kollege beginnen, an seinem Thron zu rütteln. Wie sehen Sie als Teamkollege in Straubenhardt das?

Nguyen: Es ist gut, dass es andere Turner gibt, die ihm Konkurrenz machen können. Das ist auch gut für ihn, dass er nicht immer ganz alleine an der Spitze ist. Das wird ja irgendwann auch langweilig. Dass Matthias Fahrig, Philipp Boy und ich hinter ihm kommen, ist gut. So werden wir auch als Mannschaft noch stärker.

Die KTV gilt als das Bayern München unter den deutschen Turnteams. Der Erfolg sei letztlich nur eine Frage des Geldes heißt es und das klingt oft wie ein Vorwurf. Registriert ihr das? Trifft Euch das?

Nguyen: Ich höre das auch ab und zu, aber das trifft mich nicht. Was Straubenhardt hier aufgebaut hat, das sollen die anderen erst einmal nachmachen. Deshalb stört mich das überhaupt nicht.

Nach der WM steht der Endspurt um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft auf dem Programm. Das Finale ist Ende November in Berlin. Gibt es Chancen, dass Sie dann für die Straubenhardter, wenn sie sich qualifizieren, schon wieder an die Geräte gehen können?

Nguyen: Das weiß ich noch nicht. Ich muss schauen, wie mein Bein verheilt. Ich würde natürlich gerne mitturnen. Ob es zumindest an einzelnen Gerätn noch klappt, muss sich erst zeigen.

Die nächsten großen Ziele stehen an: EM 2011 in Berlin, Olympia 2012 in London? Wie lauten die

persönlichen Zielsetzungen?

Nguyen: Natürlich will ich bei Olympia in London dabei sein und eine Medaille holen, wenn es geht. Aber ich freue mich auch auf die EM nächstes Jahr zu Hause in Berlin. Da wollen wir ähnlich gute Ergebnisse haben wie dieses Jahr bei der EM.

Was macht Marcel Nguyen in seiner Freizeit? Oder haben Turner angesichts ihres hohen Trainings-pensums gar keine Freizeit?

Nguyen: Doch, schon. Durch meine Verletzung hatte ich zuletzt schon einige Freizeit. Ich gehe gerne mal ins Kino oder unternehme was zusammen mit meiner Freundin oder mit Freunden.

22.10.2010
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