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Karlsruher SC

Oliver Kreuzer hat die KSC-Mannschaft hart kritisiert.
Oliver Kreuzer hat die KSC-Mannschaft hart kritisiert. © dpa
20.03.2017

Nach peinlicher KSC-Pleite: Sportdirektor Kreuzer attackiert Spieler wegen Disko-Besuch

Am Morgen nach der 0:3-Niederlage des Karlsruher SC gegen Fortuna Düsseldorf hatte sich die Laune von Oliver Kreuzer nicht gebessert, im Gegenteil. „Wenn man nach 25 Spieltagen Letzter ist, kann man nicht mehr alles schönreden“, sagte der Karlsruher Sportdirektor in einem Pressegespräch und monierte Disziplinlosigkeiten und mentale Defizite vieler Spieler.

„Genügsamkeit“ sei „ein Merkmal dieser Mannschaft.“ Zudem fehle es an Typen, an denen sich die Jüngeren aufrichten könnten. „Als ich durchgezählt habe, bin ich auf drei gekommen.“

Nach dem 2:0-Sieg gegen Hannover im vorletzten Heimspiel hätten sich einige Spieler innerlich zurückgelehnt, monierte Kreuzer weiter und berichtete von einem nächtlichen Disco-Besuch bis in die Morgenstunden, an dem „schon einige Spieler“ teilgenommen hätten. Prompt habe man die darauffolgende Partie in Aue verloren. „Warum kommt ein Marvin Mehlem, den viele hier von Beginn an spielen sehen wollen, nicht zum Training und verschläft? Der kommt nicht zehn Minuten zu spät, der kommt keine halbe Stunde zu spät. Der kommt gar nicht.“ Deshalb gelte es „vor der eigenen Haustür kehren“, fordert Kreuzer, der Trainer Mirko Slomka ausdrücklich den Rücken stärkt. „Die Spieler, die sich über den alten Trainer Tomas Oral beschwert haben, weil er ihnen taktisch nichts an die Hand gegeben habe und sie schlecht behandelt hätte, die setzten jetzt auch nicht um, was Slomka ihnen an key facts mitgibt.“ Warum das so sei, gelte es nun zu ergründen. „Wollen sie es nicht? Können sie es nicht?“

Für die kommenden Wochen setzt Kreuzer auf das Ehrgefühl der Mannschaft, das er offenbar auch mit seinen harten Worten herauskitzeln wollte. „Sie hat die Qualität, um die Klasse zu halten. Aber es gibt zu wenige Spieler, die mal dazwischenhauen.“

Einer, der das immer tut, ist Kapitän Dirk Orlishausen, der bisher noch von jedem Trainer als Vorbild an Professionalität bezeichnet wurde. Der Torwart hatte bereits nach dem Spiel in eine ähnliche Richtung wie Kreuzer argumentiert. Dass man Letzter sei, liege weder am Trainer noch an den Trainingsinhalten, sondern am „Nichterledigen der Aufgaben, die uns mitgegeben wurden.“

Trauerspiel

Slomka hatte unter der Woche vor allem die offensiven Mechanismen trainieren lassen. Das sollte die Konsequenz aus der Niederlage in Aue (0:1) sein, bei der der KSC nicht eine einzige wirkliche Torchance gehabt hatte. Beim 0:3 gegen Düsseldorf lief es allerdings nicht viel besser – die zwei, drei Situationen, in denen Fortuna-Keeper Michael Rensing etwas zu tun bekam, resultierten ausschließlich aus Zufallsprodukten. Planvoll vorgetragene Angriffe, wie sie offenbar einstudiert worden waren? Fehlanzeige.

Das gleiche Trauerspiel in der Defensive, wo Orlishausen das erste Fortunen-Tor durch einen verunglückten Abschlag mitverschuldete. „Slapstick-Tore“, nannte Kreuzer das. Tatsächlich passiert es der Karlsruher Innenverteidigung immer wieder, dass lange Bälle durchrutschen, weil die Staffelung nicht stimmt. Oder weil „zwei zum Kopfball hochgehen, anstatt dass einer absichert“, wie Orlishausen erkannt hat, der ebenfalls eine Lanze für Slomka brach. „Was wir vom Trainer mitkriegen, ist logisch und einfach. Aber wir schaffen es nicht, das umzusetzen.“

Es wird spannend sein zu sehen, ob in den kommenden Tagen der Ruck durch die Mannschaft geht, nach dem sich Kreuzer und Orlishausen so sehr sehnen.