

Was wäre, wenn Simon Klein den Sprung zu den Biathlon-Profis nicht schafft? „Dann würde die Welt auch nicht zusammenbrechen“, sagt der 16-jährige Schömberger achselzuckend. Was wäre, wenn er in der nächsten Saison nicht für Europacup-Rennen nominiert wird? „Wenn es nicht reicht, dann reicht es eben nicht“, sagt der Teenager, der noch vor fünf Jahren nicht wusste, um was es im Biathlon überhaupt geht.
Ganz abgeklärt, ganz lässig. ganz cool: Es ist diese Ruhe, dank der Simon Klein Mitte März deutscher Biathlonmeister in der Klasse Jugend 17 wurde.
Fünfmal galt es im Einzelrennen bei den Titelkämpfen in Oberhof die 2,5 Kilometer lange Loipe zu befahren, viermal mussten die Sportler auf die 50 Meter entfernt stehenden Scheiben schießen. Doch wo selbst der Weltklassebiathletin Magdalena Neuner oft die Knie zitterten, blieb der Athlet vom WSV Schömberg völlig ruhig: 19 mal traf er ins Schwarze, nur ein Schuss ging daneben. Denn „Zittern, das geht natürlich gar nicht“, erklärt Simon Klein. Zwar lief er nur eine durchschnittliche Zeit, doch kein Gegner traf häufiger. Und da jeder Fehlschuss mit einer Zusatzminute bestraft wurde, scheiterte ein Skijäger nach dem anderen an seiner Zeit von 36:56,5 Minuten. Da stand fest: Zum ersten Mal seit 22Jahren stellt der WSV Schömberg wieder einen Biathlonmeister.
Dabei war die Saison für den jungen Mann bis zum krönenden Saisonabschluss „ziemlich durchwachsen“ gelaufen: Platz fünf im Deutschland-Pokal war bis dahin sein bestes Saisonergebnis, läuferisch hatte er mit Defiziten zu kämpfen. Denn nach der Mittleren Reife an der Bad Liebenzeller Realschule war der junge Biathlet 2011 ans Ski-Internat Furtwangen gewechselt, wo der Trainingsumfang von eineinhalb auf zweieinhalb Stunden pro Tag hochgeschraubt wurde – „und da muss sich der Körper erst noch dran gewöhnen“, sagt er.
Zwar ist die Furtwangener Kaderschmiede, wo einst auch Skispringer Martin Schmitt den Grundstein seiner Karriere legte, für Simon Klein ein wichtiger Schritt in Richtung Profisport. Und doch stehen die Grundpfeiler seines Erfolges beim WSV, wo die Biathlon-Familie um den Vorsitzenden Günther Bauer sein Talent erkannte. Und nicht nur sie entdeckten ihn – zugleich entdeckte auch Simon Klein in Schömberg den Biathlonsport: „Vor fünf Jahren wusste ich noch gar nicht, worum es da so genau geht“, berichtet der 16-Jährige. 2007, seine Familie war gerade von Besigheim im Landkreis Ludwigsburg nach Schömberg gezogen, turnten und joggten Simon Kleins jüngere Geschwister für den WSV. Bei einer Vereinswanderung weckten die Schömberger das Interesse des heutigen Elftklässlers für die ihm unbekannte Disziplin – und schnell auch seine Begeisterung: „Das Schießen macht schon ziemlich Spaß“, so der Nachwuchsbiathlet. Und nicht nur das war für ihn neu: Auch auf Skier traute er sich 2007 zum ersten Mal.
Angesichts der noch so jungen Karriere ist es kaum verwunderlich, dass sich der junge Skijäger technische Details von den Biathlon-Profis abschaut. „Wenn ich Schießen würde wie Simon Schempp und Laufen wie Martin Fourcarde“, träumt Simon Klein, „wäre das natürlich perfekt“. Der 23-jährige Schempp, einst ebenfalls auf dem Furtwangener Internat, ist für den Schömberger Vorbild und warnendes Beispiel zugleich: Im vorletzten Winter soll der Verband Druck auf ihn ausgeübt haben, trotz einer Erkältung an den Start zu gehen, berichtet Simon Klein. Die Folge: Eine langwierige Erschöpfung, bei der zeitweise auch der Verdacht auf Pfeiffersches Drüsenfieber bestand. Auch deswegen hält sich der Schömberger Skijäger mit großen Karriereplänen zurück: „Einen Riesendruck“, sagt er bei aller Freude über die Goldmedaille, „mache ich mir da nicht“.
Autor: Simon Walter | Schömberg









