20° Aktuelles Wetter
Di, 22.05.2012
> Zum Wetter
Vorheriges Bild
Nächstes Bild
Die Köpfe rauchen  im Spiegelsaal des Kurhauses Bad Liebezell (links). Noch gut im Rennen bei der Schach-DM ist Lokalmatador Tobias Hirneise vom Schachklub Neuhausen (rechts).
Die Köpfe rauchen im Spiegelsaal des Kurhauses Bad Liebezell (links). Noch gut im Rennen bei der Schach-DM ist Lokalmatador Tobias Hirneise vom Schachklub Neuhausen (rechts).
© Lais, Hepfer
Vorheriges Bild
Nächstes Bild

Volle Konzentration in der Denkfabrik

Für Außenstehende ist es kaum zu glauben, dass Schachspieler unter Strom stehen können. Doch im Gegensatz zu anderen sportlichen Disziplinen äußert sich die Anspannung beim Denksport auf eine ganz besondere Weise. Wer fast ausschließlich in müde, ausgelaugte, von stundenlanger Konzentration gezeichnete Gesichter blickt, der kann das zumindest ein Stück weit nachempfinden.

Anzeige

Bei der 81. deutschen Schachmeisterschaft für Einzelspieler gehören diese Geduldsproben auf höchstem Niveau zur Tagesordnung. Neun lange, kräftezehrende Runden muss jeder Brettstratege im Bad Liebenzeller Kursaal eisern durchhalten, bis der neue deutsche Meister am Samstag endlich feststeht. Pro Tag und Runde kann das schonmal bis zu fünf, sechs Stunden am Stück dauern – die Vor- und Nachbereitungszeit einer Partie nicht eingerechnet. „Um den Titel zu holen, muss man alle neun Tage top drauf sein. Aber das ist so gut wie unmöglich“, verrät Norbert Bogner, der mit seinem Schachklub Neuhausen das Großereignis zum ersten Mal ausrichtet. „Für jeden Spieler gibt es auch schlechte Tage“, ergänzt der Organisationschef. „Und die sollte man einfach nur mit möglichst wenig Schaden überstehen.“

Nach dieser Devise sind die Lokalmatadore aus Neuhausen bisher ganz gut gefahren. Immerhin: Bogners Sohn Sebastian – seit einem halben Jahr Großmeister – und sein Teamkollege in der zweiten Liga, Tobias Hirneise, hatten nach Abschluss der fünften Runde noch keine einzige Niederlage auf ihrem Konto. Und auch Routinier Ulrich Schulze schlug sich im Rahmen seiner Möglichkeiten. Lediglich der 17-jährige Alexander Raykhman zahlte zu Anfang der DM zwar etwas Lehrgeld, fand aber spätestens mit dem klaren Sieg über den deutschen Amateurmeister Christian Vogel zu seinem gewohnten Rhythmus.

„So eine deutsche Meisterschaft ist im Grunde wie ein normales Turnier“, bekennt Tobias Hirneise (20), der wie Sebastian Bogner (19) noch alle Möglichkeiten hat, in die vorderen Sphären vorzustoßen. Wie alle anderen Teilnehmer hat sich Hirneise allerdings auch zwei bis drei Wochen akribisch auf den Wettbewerb vorbereitet. Dazu gehört vor allem ein intensives Gegnerstudium über Datenbanken, die mehrere Millionen Partien enthalten. Aber das ist längst keine Erfolgsgarantie. „Ich hatte ein paar Mal Glück, dass mein Gegner genau das gespielt hat, was ich vorbereitet habe“, gesteht der badische Meister von 2008. An mögliche Top-Platzierungen will er gar nicht denken. „Ich versuche einfach nur, bis zum Schluss ungeschlagen zu bleiben. Das wäre mein Wunschergebnis“, betont Hirneise.

Denn kein Schachspieler ist im Eifer des Gefechts vor gelegentlichen Rechenfehlern gefeit. Das gilt auch für die Topfavoriten. Allen voran der zurzeit Führende, Igor Khenkin vom Wiesbadener SV, der mit einer ELO-Zahl von 2597 – der höchsten aller Teilnehmer – ins Rennen gegangen ist. Nach Ende der vierten Runde lag der gebürtige Russe erwartungsgemäß in Führung. Und für die meisten der insgesamt 44 Starter ist er der heißeste Kandidat, wenn es darum geht, den Titel und die 6000 Euro Preisgeld einzustreichen. Doch selbst Großmeister Khenkin hat noch die ein oder andere Hürde zu überspringen. Darunter fällt auch das Duell gegen Jungstar Sebastian Bogner. „Man sollte bei so einem Turnier nicht zu früh einen großen Gang fahren“, warnt Bogners Vater Norbert. Wohlwissend, dass nicht nur die Schachzüge auf dem Brett kalkuliert werden müssen. Zur Taktik im „Schweizer Losungssystem“, bei dem in der Regel punktgleiche Spieler aufeinandertreffen, gehört auch, im richtigen Augenblick auf den richtigen Gegner zu treffen. Und das nach Möglichkeit noch mit den weißen Steinen, die im Schach immer einen leichten Vorteil bedeuten.

Dass die spannenden Vergleiche samt taktischer Winkelzüge auch dem Publikum nicht verborgen bleiben, dafür sorgt im Bad Liebenzeller Kursaal eine technische Crew. Jeder Zug wird über Sensoren an den Schachbrettern ins Internet übertragen. Dazu kommentiert der hessische Großmeister Klaus Bischoff zehn Partien pro Tag live vor Ort und im Netz. „Allein beim Höhepunkt am Samstag rechnen wir mit etwa 26 000 Zuschauern online“, meint DM-Organisator Norbert Bogner. Damit wird jedem Spieler seine eigene, kleine Bühne geboten. Schließlich sollen sich die ganzen Strapazen ja auch ein bisschen lohnen. Peter Hepfer

www.schachwochebadliebenzell.de

10.03.2010
Schriftgröße A A A
Artikel teilen
Anzeige
Anzeige
Top Adressen
Anzeige
Top Angebote




Anzeige
Regional Finder
Ispringen
Kämpfelbach
Eisingen
Königsbach-Stein
Remchingen
Keltern
Straubenhardt
Birkenfeld
Neuenbürg
Engelsbrand
Unterreichenbach
Schömberg
Neuhausen
Tiefenbronn
Heimsheim
Friolzheim
Wimsheim
Mönsheim
Wiernsheim
Wurmberg
Niefern-Öschelbronn
Kieselbronn
Neulingen
Ölbronn-Dürrn
Ötisheim
Mühlacker
Illingen
Maulbronn
Sternenfels
Knittlingen
Oberderdingen
Pforzheim
PZ lesen per E-Paper

zum Log-In                       zur Startseite

Umfrage
Welches Spiel wollen Sie im Video sehen?
PZ-news auf Facebook
Webcam
Di, 22.05.2012 13:43
Anzeige