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Zwei Wochen nach dem Berliner Benzingipfel zeichnet sich ab, dass die Autofahrer auch nach gründlicher Aufklärung keinen Biokraftstoff E10 tanken wollen. Die Suche nach Auswegen hat begonnen.
Zwei Wochen nach dem Berliner Benzingipfel zeichnet sich ab, dass die Autofahrer auch nach gründlicher Aufklärung keinen Biokraftstoff E10 tanken wollen. Die Suche nach Auswegen hat begonnen.

Autofahrer wollen E10 immer noch nicht

Hamburg (dpa) - Deutschland ist zweigeteilt. Im Osten und im Süden des Landes trifft der Autofahrer beim Tanken auf das umstrittene Bio-Benzin E10 - und verschmäht es. Der Norden und der Westen sind dagegen weitgehend E10-freie Zonen. Und sie werden es auch vorläufig bleiben.

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Sowohl Esso als auch Shell haben sich von ihrem Ziel verabschiedet, bis zum Ende des Quartals sämtliche ihrer Stationen in Deutschland auf E10 umzurüsten. Grund: Die Raffinerien im Norden und Westen stellen ihre Produktion nicht um, weil sich der Stoff im Süden und Osten nicht verkaufen lässt. Also gibt es auch keine Versorgung mit E10 für Tankstellen. Sie verkaufen weiter das alte Super E5 mit 95 Oktan und fünf Prozent Ethanol, das es im Süden kaum mehr gibt.

«Ich weiß auch nicht, wie wir dieses Chaos lösen sollen», seufzt ein Hamburger Mineralöl-Manager. Das Verhalten der Kunden an der Tankstelle ebenso wie mehrere nicht-repräsentative Umfragen lassen nur einen Schluss zu: Die Autofahrer sind nicht nur verunsichert, ob die Benzinmotoren ihrer Autos den zehnprozentigen Ethanol-Zusatz im Sprit vertragen. Es geht um mehr: Viele wollen sich nicht vorschreiben lassen, was sie tanken. Oder sie befürchten, mit E10 der Umwelt zu schaden, obgleich das Gegenteil bezweckt war. «Wir müssen zwar weg vom Erdöl, aber nicht auf Kosten der hungernden Kinder in Afrika und Asien», schreibt ein ADAC-Mitglied auf den Internetseiten des Automobilclubs. Er will, dass der ADAC «die Ausbreitung des Bio-Sprits bekämpft».

So weit ist es noch nicht; der ADAC steht formal hinter den Beschlüssen des Benzingipfels und will die Einführung von E10 unterstützen. Doch diese Unterstützung beschränkt sich auf Worte. Gleichzeitig fordert der ADAC, dass eine preisgünstige Ausweichsorte an den Tankstellen erhältlich sein muss, für alle, die kein E10 tanken können oder wollen. Am besten das alte Super mit 95 Oktan und fünf Prozent Ethanol. «Damit versetzt der ADAC E10 den Todesstoß», empört sich Klaus Picard, der Cheflobbyist der Mineralölbranche. Ungerührt kündigt ADAC-Präsident Peter Meyer an, sein Verein werde Tankstellen verklagen, wenn kein günstiges E5-Benzin angeboten werde.

In der Branche gehen nun mehrere Szenarien um. Die Tankstellen- und Raffineriebetreiber hoffen, dass sie doch noch die meisten Autofahrer als E10-Kunden gewinnen können. «Bei der Einführung des bleifreien Benzins hat es einen ähnlichen Aufschrei gegeben», erinnert sich Axel Graf Bülow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Freier Tankstellen (BFT). «Diesmal dauert es vielleicht etwas länger.» Die Mineralölbranche hat mehr zu verlieren als zu gewinnen, wenn die E10-Einführung scheitert. Sie hat hohe Millionenbeträge in die Umstellung auf E10 investiert. «Wir wollen wirklich alles versuchen, damit E10 ein Erfolg wird», sagt Gabriele Radke von der Esso, die an einigen Tankstellen mit niedrigeren E10-Preisen experimentiert. Bislang ohne Ergebnis.

Wenn alles Marketing nichts nützt, muss sich die Branche auf einen dauerhaft veränderten Absatzmix einstellen. «Wir haben keinen Plan B», heißt es aus der Branche. Bislang wurden Benzinmotoren ungefähr zu 95 Prozent mit Super betankt, zu fünf Prozent mit Super plus und höherwertigen Sorten. E10 wird, soviel scheint heute klar, nicht 95 Prozent des Marktes erobern können. Um Super Plus in größeren Mengen herstellen zu können, müssen aber die Raffinerien erneut umgestellt werden, außerdem auch Tanklager und Tankstellen. Das kostet wieder etliche Millionen Euro. Mehr als 20 bis 30 Prozent Super Plus lassen sich aus einem Barrel Rohöl ohnehin nicht herausholen, und das ist eventuell zu wenig zur Versorgung des Marktes.

Zudem ist schon jetzt klar, dass die Branche die geforderte Bio-Quote im Benzin nicht einlösen kann und deshalb hohe Strafen zahlen muss. Die werden dann in den Benzinpreis eingerechnet und bezahlen wird der Autofahrer. In der schwierigen Situation würden sich die Ölfirmen am liebsten mal zusammensetzen und gemeinsam nach Wegen aus der Krise beraten. Aber das geht auch nicht: Viel zu heikel gegenüber dem Kartellamt.

22.03.2011

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