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Große und immer mehr kleinteilige Ware schickt Amazon-Standortleiter Alexander Bruggner von Pforzheim aus auf Reisen – und das millionenfach.
Große und immer mehr kleinteilige Ware schickt Amazon-Standortleiter Alexander Bruggner von Pforzheim aus auf Reisen – und das millionenfach.
19.10.2016

Amazon erwartet heiße Weihnachten

Große Plakate in der Stadt und Schriftzüge auf Bussen zeugen davon: Amazon sucht Mitarbeiter. Und das im großen Stil. 500 Saisonkräfte – 300 mehr als im Vorjahr – sollen im Logistikzentrum im Pforzheimer Gewerbegebiet „Buchbusch“ für einen reibungslosen Ablauf im Advent sorgen. Das Weihnachtsgeschäft wird brummen beim Versandgiganten.

Standortleiter Alexander Bruggner rechnet damit, dass 20 Prozent mehr Waren ausgeliefert werden. Dafür muss man gewappnet sein. Bereits im August hätten die Vorbereitungen begonnen. „Wir planen alles akribisch“, so Bruggner im PZ-Gespräch, „und freuen uns darauf.“ In der inzwischen fünften Weihnachtssaison funktionierten die Prozesse – auch im Sondermodus. Bis zu 80 Bewerber werden derzeit jede Woche durch die Personalabteilung geschleust. Etliche wurden von Mitarbeitern angeworben, in Zusammenarbeit mit Agentur für Arbeit und Jobcentern wolle man auch Menschen aus dem Umland gewinnen. Geplant sei, Gratis-Buslinien nach Wildbad, Calw oder Freudenstadt einzurichten. Überzeugen soll vor allem ein „attraktives Leistungspaket“. Saisonale Mitarbeiter erhalten denselben Stundenlohn wie andere Einsteiger. Er wurde jüngst von 10,10 auf 10,35 Euro erhöht. Vorkenntnisse seien nicht erforderlich. Und auch Sprachbarrieren würden minimiert: „Wir kommunizieren viel über Bilder.“ Daraus, dass sich zu Anfangszeiten etliche Saisonkräfte falsche Hoffnungen auf eine längerfristige Beschäftigung machten, hat man gelernt. Man mache allen unmissverständlich klar, dass ihr Engagement lediglich bis zum Jahresende dauert. Ob die Stammbelegschaft wachse, sei aktuell nicht zu sagen. Derzeit sind rund 1000 Mitarbeiter mit gut 65 unterschiedlichen Nationalitäten – einige mit Flüchtlingsstatus – fest angestellt, von denen mehr als 70 Prozent in der Stadt lebten. „Wir bieten Menschen aus Pforzheim mit Migrationshintergrund eine berufliche Zukunft“, sagt Bruggner, der an kostenlose Deutsch-Kurse erinnert. „Wir fördern diese Vielfalt“, bekräftigt Amazon-Sprecher Stephan Eichenseher aus München. Zur Integration kommt Inklusion: Auch vier Gehörlose arbeiten inzwischen im „Buchbusch“. Streiks, wie sie an anderen Standorten wieder laufen, scheinen in Pforzheim weiter nicht zu erwarten. Zur Arbeit der Gewerkschaft Verdi wollen sich Bruggner und Eichenseher nicht äußern. „Wir können nur die Fakten herausstellen“, sagt der Sprecher und verweist auf das Miteinander mit dem Betriebsrat, einen niedrigen Krankenstand, hohe Wertschätzung und das aus Amazon-Sicht angemessene Gehalt. Nach einem Jahr steige der Stundenlohn auf 11,93, nach zwei auf 12,84 Euro. Vorarbeiter kommen dann auf 14,88 Euro. Aktienanteile, Boni und Weihnachtsgratifikation eingerechnet, betrage nach zwei Jahren das durchschnittliche monatliche Bruttogehalt 2526 Euro.

Neuerung im Portfolio

Den Vertrieb frischer Lebensmittel, mit dem Amazon nun in Berlin und München punkten will, wird es von Pforzheim aus bis auf Weiteres nicht geben. Allerdings wurde am Standort, der bislang auf große Produkte spezialisiert war, das Portfolio um kleinere Artikel ergänzt – damit etwa zum Staubsauger gleich der Ersatzstaubfilter gepackt werden kann. Auch diese Umstellung habe man gut gemeistert, so Bruggner.

Mehrere Millionen Produkte hat Amazon in Pforzheim auf Lager. Was der Bestseller wird im Weihnachtsgeschäft 2016 und wann es rappelt, bleibt trotz aller Planung eine Überraschung. Elektronik, etwa Flachbildschirme, war im Vorjahr der Renner – und der 14. Dezember der Top-Tag.