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Gute Nerven  sind derzeit im Handelssaal der Frankfurter Börse  am Donnerstag (09.10.2008) in Frankfurt am Main (Aufnahme mit Shift-Objektiv). Nach dem Kursrutsch des Vortages hat sich der deutsche Aktienmarkt etwas stabilisiert und bis zum Nachmittag lei
Gute Nerven sind derzeit im Handelssaal der Frankfurter Börse am Donnerstag (09.10.2008) in Frankfurt am Main (Aufnahme mit Shift-Objektiv). Nach dem Kursrutsch des Vortages hat sich der deutsche Aktienmarkt etwas stabilisiert und bis zum Nachmittag leichte Kursgewinne verbucht. Foto: Frank Rumpenhorst dpa/lhe +++(c) dpa - Bildfunk+++gefragt.
© dpa

Angst vor dem Börsenparkett

FRANKFURT. Die Unternehmen scheuen den Sprung aufs Parkett: Die Finanzkrise hat den Markt für Börsengänge leergefegt. Kaum ein Anleger ist mehr dazu bereit, große Summen zu investieren. Schon gar nicht in Neuemissionen.

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Kein Wunder also, dass mittlerweile alle Kandidaten ihr Debüt auf dem Parkett verschoben haben. Zuletzt waren es auch nur noch zwei: Die Deutsche Bahn hat gestern nach langem Hin und Her den für Monatsende vorgesehen Börsengang abgesagt. Erst am Vortag hatte die Solarfirma Schott Solar ihre Börsenpläne in letzter Sekunde verworfen.

„Markt für kleine Werte ist tot“

Schon das ganze Jahr über war das Klima für Börsengänge rau. Mit SMA Solar und GK Software starteten bisher nur zwei Firmen im stark regulierten Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. 2007 gab es noch 21 Neulinge in dem Segment. Dabei hatte sich der Markt seit dem Platzen der New-Economy-Blase gerade erst wieder aufgerappelt: 2003, als der Aktienmarkt seinen Tiefstand erreicht hatte, zählte die Deutsche Börse nur einen Neuzugang – ausgerechnet den jetzt schwer angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate. Auch international ist die Zahl der Neuemissionen auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gefallen, wie eine Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young ergeben hat.

Wer momentan an die Börse will, muss Größe haben. „Alles was nicht in Dax, M-Dax oder in einem anderen größeren Index ist, interessiert im Moment nicht“, sagt Aktienhändler Thorsten Peiffer vom Wertpapierhandelshaus Lang und Schwarz. Der Markt für kleine Werte sei quasi tot. Anleger scheuen diese Aktien, da sie zu selten gehandelt werden, ein Ausstieg ist dann schwierig.

Nun geht es aber selbst den großen Börsenaspiranten an den Kragen. Schott Solar verkündete das vorläufige Aus erst am Mittwochabend, nur eine Nacht vor der anvisierten Erstnotiz am gestrigen morgen. Es wäre der bisher größte Börsengang in diesem Jahr gewesen. Das Umfeld sei „umwerfend schlecht“, sagte ein Sprecher. Ob eine Rückkehr an den Start denkbar ist, darüber wollte er lieber nicht spekulieren.

Die Liste der abgesagten oder verschobenen Börsengänge ist auch ohne Schott Solar und die Bahn schon lang genug. Im März machte die HSH Nordbank einen Rückzieher, weil Bankaktien auf breiter Front eingebrochen waren.Trübe sind auch die Börsenaussichten für MAN Roland. Der Druckmaschinenhersteller war Anfang Juni grundsätzlich bereit für den Gang aufs Parkett. Doch seitdem ging es mit der Branche rapide bergab, weil die Werbeindustrie als wichtiger Endabnehmer in die Krise rutschte.

Kein guter Zeitpunkt in Sicht

Der Chemie- und Energiekonzern Evonik – hervorgegangen aus der Ruhrkohle AG – wählte im Sommer statt eines Börsengangs lieber den direkten Einstieg des britischen Finanzinvestors CVC. Frühestens im kommenden Jahr wollen die Essener nun darüber nachdenken, weitere Anteile über die Börse zu verkaufen. Es wäre ein wichtiges Signal, gehört das Unternehmen doch mit einem Gesamtwert von 10 Milliarden Euro zu den ganz großen in Deutschland. Doch wann es für Evonik und die anderen wieder einen guten Zeitpunkt für den Start ins Börsengeschehen gibt, das weiß im Moment niemand. „Da müssten wir in die Glaskugel schauen“, sagt ein Händler.

Autor: Nadine Schwede und Daniel Schnettler , dpa

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