

Die Angst geht um in den Vereinigten Staaten: Die Angst davor, dass die Wirtschaft wieder einbricht. Die Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes. Da stecken die wenigsten Menschen Tausende von Dollars in ein neues Auto. Ein paar Meilen wird das alte wohl noch durchhalten. Hoffentlich.
Entsprechend mau sehen die Verkaufszahlen für August aus. Die Konzerne sind keine Million Wagen mehr losgeworden. Vor allem die amerikanischen und asiatischen Massenhersteller blieben auf ihren Kisten sitzen. Das Fachblatt „Automotive News“ sprach vom saisonbereinigt schlechtesten Monat seit Februar.
Beim Vergleich mit den phänomenal guten Verkäufen des Vorjahresmonats dürften Automanagern Tränen in die Augen steigen. Damals hatte die US-Abwrackprämie die Kunden scharenweise in die Ausstellungsräume gelockt. „Wir brechen nicht in Panik aus“, sagte der US-Vertriebschef von General Motors (GM), Don Johnson.
Jedes fünfte in den USA verkaufte Auto rollt aus den Fabriken des Detroiter Branchenriesen. Im Vorjahreszeitraum hatte gerade die günstige GM-Massenmarke Chevrolet massiv profitiert vom staatlichen Programm „Cash for Clunkers“ – also: „Bargeld für Klapperkisten“.
Jetzt folgte der Absturz. Nur die deutschen Premiumhersteller stechen hervor. Wer 40 000 Dollar für einen BMW, einen Mercedes oder einen Audi übrig hat, ist nicht auf staatliche Finanzspritzen angewiesen. Während der Gesamtmarkt im Jahresvergleich um 21 Prozent einbrach, verkauften die Deutschen nach Berechnungen des Branchenverbandes VDA vom Donnerstag im August ein Prozent mehr Autos.
Vor allem an der Ostküste sind Autos aus Deutschland begehrt. Zu den treuesten Kunden zählen die Banker. Und denen geht es keine zwei Jahre nach dem Hochkochen der Finanzkrise wieder erstaunlich gut
Von einem Mercedes oder BMW kann der Durchschnittsamerikaner dagegen nur träumen. Er ist schon froh darüber, wenn er sich ein Auto aus heimischer oder asiatischer Produktion leisten kann. Wenn überhaupt. „Ich sehe derzeit noch keine Anzeichen für eine nachhaltige Erholung der Autokonjunktur in den USA in den nächsten zwei bis drei Jahren“, sagte der renommierte US-Autoexperte Ron Harbour jüngst der „WirtschaftsWoche“.
Vor der Wirtschaftskrise wurden in den USA rund 16 Millionen Autos pro Jahr verkauft, gerne große Pick-up-Trucks und Geländewagen. Die Schätzungen für dieses Jahres liegen mittlerweile bei weniger als 11 Millionen. „Eine Rückkehr zu den 16 Millionen wird es nicht geben, zumindest nicht auf absehbare Zeit“, sagte Harbour. Immerhin haben die deutschen Hersteller ihre profitable Nische gefunden. Daniel Schnettler





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