

PFORZHEIM. Das Potenzial von Menschen mit Handicap besser zu nutzen, hat sich der Arbeitskreis Inklusion des Callcenter-Verbands Deutschland zum Ziel gesetzt. Gestern hatte er nach Pforzheim eingeladen.
Motiviert, selten krank und unternehmenstreu: So beschreibt der Arbeitskreis Inklusion des Callcenter-Verbandes Deutschland Mitarbeiter mit Behinderung. Doch noch greife die Branche allzu selten auf dieses Reservoir zurück. Um diese Botschaft nach außen zu tragen, trafen sich auf Einladung des Arbeitskreises sowie des Partners MyHandicap gestern Branchenmitglieder und Interessierte in den Räumen der Agentur Kraftwerk Mensch GmbH in Pforzheim. Deren Geschäftsführer Oliver Erckert verantwortet die Pressearbeit des Arbeitskreises.
Alfons Bromkamp, Leiter des Arbeitskreises, hatte Ernüchterndes zu berichten. Die Branche erreiche mit 1,5 Prozent nur einen kleinen Teil der für Unternehmen ab 20 Mitarbeitern gesetzlich geforderten fünf Prozent an behinderten Arbeitnehmer.
Neben der ethischen Problematik sei dies auch wirtschaftlich unvernünftig: „Es wird immer schwieriger, geeignete Mitarbeiter zu finden.“ Menschen mit Behinderung seien zumeist gute Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz sehr schätzten – auch aufgrund der hohen Hürden, die sie immer noch überwinden müssten. Als weiterer Anreiz komme die Reduzierung der Ausgleichsabgabe hinzu, die bei Nichterfüllung der Fünf-Prozent-Quote anfällt, sowie die Aussicht auf staatliche Förderung.
Einer breiten Zusammenarbeit zwischen Callcenter-Unternehmen und Menschen mit Handicap stünden indes noch Vorurteile entgegen, so Bromkamp. Und zwar auf beiden Seiten. Zum einen sei der Umgang mit Behinderten für Gesunde auch heute oft noch nicht völlig normal, zum anderen leide die Branche unter einem eher schlechten Ruf. „Ein Missverständnis, dem wir mit Öffentlichkeitsarbeit entgegenwirken können.“ Denn Callcenter bedeute nicht, „alten Damen einen DSL-Anschluss zu verkaufen, obwohl sie nicht einmal einen Computer besitzen“. Im Gegenteil: Dieser Begriff fasst eine Vielzahl an Dienstleistungen zusammen, vom Ratgebertelefon bis zur Hotline. „Die Tätigkeiten in der Branche sind komplexer und anspruchsvoller geworden“, so Bromkamp. Abseits vom reinen Gelderwerb könnten sie daher auch Zufriedenheit vermitteln.
Oberbürgermeister Gert Hager verwies in seinem Grußwort auf die Auswirkungen des demografischen Wandels. Während Pforzheim in den kommenden 20 bis 30 Jahren nur wenige Prozent seiner Bevölkerung einbüßen werde, drohe dem Enzkreis ein Verlust von 14 Prozent, der Kreis Calw werde gar bis zu einem Viertel seiner Bevölkerung verlieren – Menschen, die als Arbeitskräfte fehlten. Bei allen wirtschaftlichen Überlegungen stand für Hager jedoch der ethische Aspekt im Mittelpunkt. Heute müsse jeder die Gelegenheit erhalten, seinen Fähigkeiten gemäß am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. „Wir müssen jeden individuell betrachten. Egal ob mit oder ohne Behinderung: Auf den Menschen kommt es an.“
Autor: PZ-Mitarbeiter Stefan Dworschak





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