

Zwölf Prozent Wahlbeteiligung – das klingt nach einer mittleren demokratischen Katastrophe, doch die IHK (Industrie- und Handelskammer) Nordschwarzwald ist damit zufrieden. „Die Tendenz geht nach oben“, sagte gestern Hauptgeschäftsführer Martin Keppler über die Wahl der IHK-Vollversammlung: Von den 35500 Wahlberechtigten in den Kreisen Pforzheim, Enzkreis, Calw und Freudenstadt hatten rund 4000 ihre Stimme abgegeben. Beim letzten Mal, vor fünf Jahren, hatten sich weniger als zehn Prozent beteiligt.
Die Vollversammlung ist das Parlament der IHK, das nicht nur das Präsidium und den Präsidenten wählt und den Haushalt beschließt, sondern auch in wichtigen politischen Fragen die Richtung der IHK vorgibt. Eine so eindeutige Positionierung wie zum Beispiel in Sachen Bahnprojekt Stuttgart 21 sei nur vor diesem Hintergrund zu machen, meinte Präsident Burkhard Thost.
Dabei nehme die IHK Nordschwarzwald ihren demokratischen Anspruch traditionell sehr ernst, so Keppler. Gewählt werde geheim und mindestens doppelt so viele Kandidaten müssen zur Verfügung stehen wie gewählt werden. Das Ergebnis: Etwa die Hälfte der IHK-Parlamentarier ist neu dabei. Bemerkenswert ist laut Thost auch die Zahl der jungen Mitglieder (der Altersschnitt liegt nun zwischen 40 und 50 Jahren) und die der Frauen (zwölf von insgesamt 49 Mitgliedern). Man sei „sehr zukunftsorientiert aufgestellt“. Thost und Keppler erwarten sich von den Newcomern neue Ideen. Was erwartet die Wirtschafts-Parlamentarier in diesem Jahr? Erst einmal nicht viel. Ihre Amtszeit beginnt am 13. Juli, wenn in Nagold die neue Vollversammlung eingesetzt und der neue Präsident gewählt wird. Der könnte wieder der alte sein: Zumindest will sich Thost dem Wunsch nach Fortsetzung dieses Ehrenamts, sollte er geäußert werden, nicht verweigern.
Zuvor steht bei der IHK vor allem die erste Cluster-Konferenz an: Gemeinsam mit dem Landeswirtschaftsministerium, dem Fraunhofer Institut und Universitäten soll am 22. Mai das Bewusstsein für die Stärken des Standorts geschärft werden. Cluster, so nennt man neudeutsch die räumliche Zusammenballung von ähnlichen Betrieben. In Pforzheim ist das traditionell die Schmuckindustrie, aber auch der Versandhandel und inzwischen die Präzisionstechnik. Wenn es nach Thost geht, müsste das Motto der Stadt „Pforzheim. Die Präzision. Das Design“ allerdings erweitert werden. „Wo ist das IT-Element?“, fragte er. Schließlich sei in der Region längst große Kompetenz in Sachen IT-Anwendungen für Medien vorhanden. Hier glaubt Thost – trotz starker Karlsruher Konkurrenz – mithalten zu können.
Wichtig sei das auch im wachsenden Wettbewerb um Arbeitskräfte: „Da hilft es, als Region für Zukunftstechnologie bekannt zu sein“, so Thost.
Autor: Angelika Wohlfrom





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