

Im Kampf um die Macht zwischen Porsche und VW scheint keine Einigung in Sicht. PZ-Mitarbeiter Frederic Vuillermin sprach darüber mit dem Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer.
Pforzheimer Zeitung: Schadet der Machtkampf den beiden Marken Volkswagen und Porsche?
Ferdinand Dudenhöffer: Er schadet erheblich dem Unternehmen VW. Die Marken sind weniger betroffen, denn obwohl Kunden auf Unternehmensnachrichten reagieren, behalten sie viel mehr die Produktlinie im Kopf. Wesentlich ist, dass bei diesem Konzernkampf die Mitarbeiter gegeneinander ausgespielt werden. Ein Betriebsrat, der seinen neuen Gesellschafter, den Eigentümer des Unternehmens, als „neureich und dahergelaufen“ beschimpft, verursacht eine grenzenlose Brunnenvergiftung. Außerdem sorgt der Streit für Stillstand. Man bewegt sich momentan auf der Ebene von Grabenkämpfen, die Unternehmensentscheidungen zementieren. Die Unternehmensausrichtung wird nicht so gestaltet werden können, wie es sich Wolfgang Porsche und Wiedeking vorgestellt haben, nämlich dass man sich Toyota als Vorbild nimmt. Momentan ist es aber so, dass Piëch seine Marionetten, den Betriebsrat, tanzen lässt.
PZ: Passen diese Unternehmen überhaupt zusammen?
Dudenhöffer: Strukturell passen diese Unternehmen hervorragend zusammen. Es wäre interessant gewesen, diese beide Unternehmen so auszurichten, dass sie sich zu einem Unternehmen finden. Zu einem Unternehmen, das genau das macht, was Porsche in den letzten 15 Jahren gemacht hat: Eine Orientierung am Kunden und am Markt, als Maß aller Dinge. VW könnte diesem Modell folgen und ähnliche Erfolge wie Porsche feiern. Dazu ist jedoch ein Wandel in der VW-Unternehmensphilosophie notwendig. Genau so wie eine gezielte Analyse aller wettbewerbsnachteilbringende Marken und Produkte.
PZ: Wer ist denn der Bösewicht in dieser Auseinandersetzung?
Dudenhöffer: Die Ermittlung des Bösewichts ist auch immer eine Frage des Standpunktes. Wenn man jedoch darauf besteht, dass VW es verdient langfristig erfolgreich zu sein, was eine Übernahme des Porsche-Modells bedeuten würde, dann findet man die Bösewichte auf der VW-Seite. Diese sind das VW-Gesetz, die Gewerkschaft, der untätige Ministerpräsident des Landes Niedersachsen Herr Wulff und Ferdinand Piëch. Der letzte benutzt die gerade genannten um seine Spiele zu betreiben.
PZ: Wer ist mehr in Gefahr Piëch oder Wiedeking?
Dudenhöffer: Langfristig gesehen sind die Unternehmen Porsche und VW in Gefahr. Für die Stuttgarter Autobauer ist VW eine enorme Investition, bei der es gelten wird, zu verhindern, dass man in Wolfsburg in die roten Zahlen geht. Das kann sich Porsche nicht erlauben. Ebenfalls in Gefahr befindet sich die Familie Porsche. Erzeugt man Verluste, wird die VW-Aktie auch an Wert verlieren. Nach dem Aktiengesetz könnten dann Vorzugsaktionäre Stimmrecht erlangen, was auf langer Sicht bedeuten könnte, dass die Familie Porsche ihren Einfluss auf beide Marken verliert. In diesem Spiel kann es also nur Verlierer geben.
PZ: Wären Sie als Schlichter engagiert, was würden Sie den beiden Parteien raten?
Dudenhöffer: Vor einigen Jahren befand sich Porsche in der gleichen Situation. Ich würde also denselben intelligenten Rat geben, den der damalige Landesbankpräsident Walther Zügel Ferry Porsche gegeben hat: Keine Familienangehörige in leitenden Funktionen, sondern nur noch in Funktionen, die die Porsche SE betreffen. Konkret auf heute übertragen würde das heißen, dass Piëch sein Mandat im Aufsichtsrat aufgeben müsste. Das wäre nicht ganz einfach, aber eine Möglichkeit, um Frieden in die Unternehmen zu bringen.
PZ: Muss Porsche aufgrund des VW-Gesetzes fürchten als VW-Anhängsel zu enden?
Dudenhöffer: Nein. Die Chance, dass diese Sperrminorität in der EU-Kommission gekippt wird, liegt bei 99,9 Prozent. Der Weg ist für Porsche frei, VW zu gestalten. Was langfristig gut für VW sein wird. Und ich bin der festen Überzeugung, dass man mittelfristig ebenfalls einen gangbaren Weg finden wird.





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