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02.03.2009

Autokrise hat Porsche erfasst

Die Auto-Absatzkrise hinterlässt auch beim erfolgsverwöhnten Sportwagenbauer Porsche sichtbare Dellen. Der operative Gewinn aus dem Fahrzeuggeschäft, Umsatz und Absatz sackten im Ende Januar abgeschlossenen ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2008/09 ab, wie das Unternehmen am Montag in Stuttgart mitteilte.

Der Überschuss legte dagegen dank der VW-Beteiligung weiter zu. Eine Prognose für das laufende Geschäftsjahr wagte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking nicht. „Insgesamt fühlt sich Porsche gut gerüstet, um auch im sehr schwierig gewordenen Umfeld bestehen zu können“, teilten die Stuttgarter mit. Bis Ende März will sich der Sportwagenhersteller mit einem neuen Kredit über 12,5 Milliarden Euro außerdem den finanziellen Spielraum sichern, den Anteil an VW von derzeit gut 50 auf 75 Prozent auszubauen.
Der Absatz brach zwischen August und Januar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 26,7 Prozent auf 34266 Fahrzeuge ein. Die Erlöse sackten um 12,8 Prozent auf 3,04 Milliarden Euro ab. Auch der Rückgang beim operativen Ergebnis bewege sich im Bereich der Umsatzentwicklung, sagte der Sprecher. Genaue Ergebniszahlen will Porsche erst im Halbjahresfinanzbericht Ende März bekanntgeben.
Die Absatzflaute trifft Porsche auf breiter Front - bei Modellreihen und in allen Regionen. Besonders schmerzhaft fiel der Rückgang im wichtigen Markt Nordamerika aus: Der Absatz brach auf 11998 Sport- und Geländewagen (Vorjahr: 16209) ein. In Deutschland verkauften die Stuttgarter mit 4152 Fahrzeugen 1478 Autos weniger. In den nächsten Monaten setzt Porsche vor allem auf den Start mehrerer neuer Modelle wie den Cayenne Diesel, der seit wenigen Tagen auf dem Markt ist.
Eine weitere Drosselung der Produktion sei bislang nicht geplant, sagte der Sprecher. Als Reaktion auf die weltweite Autokrise hatte Wiedeking Ende Januar ein mehr als 100 Millionen Euro schweres Sparprogramm und eine Drosselung der Produktion um 4800 Fahrzeuge angekündigt. Bis zum Sommer sollen die Bänder im Stammwerk Stuttgart- Zuffenhausen deshalb an mehreren Tagen stillstehen. Kurzarbeit und Stellenabbau sind derzeit aber kein Thema.
Bei Überschuss und Vorsteuerergebnis der Porsche Automobil Holding SE habe es für das erste Halbjahr weiter ein Plus geben, teilte das Unternehmen mit. Grund seien Aktienoptionsgeschäfte durch die Porsche von Veränderungen des VW-Börsenkurses profitiere, teilte das Unternehmen mit. Die Stuttgarter halten derzeit 50,76 Prozent der VW- Stammaktien und wollen den Anteil noch in diesem Jahr auf 75 Prozent erhöhen.
Den finanziellen Spielraum dafür will sich Porsche bis Ende März mit einem neuen Kredit sichern. „Porsche ist davon überzeugt, diese Verhandlungen vor Ende März zu einem positiven Abschluss zu bringen“, teilten die Stuttgarter mit. Ein Kredit über 10 Milliarden Euro laufe Ende März aus, der neue solle nun 12,5 Milliarden Euro umfassen. Damit bestätigte der Sprecher Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Dem Bericht zufolge übernimmt Barclays die Führung des neuen Kreditkonsortiums, weiter seien die Schweizer UBS und die Stuttgarter LBBW an der Finanzierung beteiligt.
Ursprünglich umfasste die Kreditlinie 35 Milliarden Euro und war für das im Mai 2007 vorgelegte Pflichtangebot für alle Aktien von Volkswagen gedacht. Nach Ablauf des Pflichtangebots reduzierte Porsche den Kreditrahmen auf zehn Milliarden Euro. Die Offerte war nur von 0,06 Prozent der VW-Aktionäre angenommen worden. Das Geld wurde später Angaben des Unternehmens zufolge auch für den Erwerb von VW-Aktien verwendet. dpa