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Detektiv Nikolaus Klären (rechts vorne) und Rechtsanwalt Jens Gröner mit einem Teil der Insolvenz-Opfer während der Pressekonferenz in der Autobahnraststätte Bruchsal.  Foto: Arnd Waidelich
Detektiv Nikolaus Klären (rechts vorne) und Rechtsanwalt Jens Gröner mit einem Teil der Insolvenz-Opfer während der Pressekonferenz in der Autobahnraststätte Bruchsal. Foto: Arnd Waidelich
01.12.2016

Bauherren und Handwerker: Schwere Vorwürfe gegen Ispringer Baufirma

Hatten Corinna und Martin Müller einfach nur ein glückloses Händchen bei wirtschaftlichen Entscheidungen, die in zwei Insolvenzen ihrer Ispringer Bauunternehmen mündeten? Diese Frage beschäftigt derzeit nicht nur die Pforzheimer Staatsanwaltschaft, sondern vor allen Dingen eine Vielzahl von Bauherren und Handwerkern aus der Region.

Der unisono von den Häuslesbauern während einer Pressekonferenz in der Bruchsaler Autobahnraststätte erhobene Vorwurf: Kurz bevor Corinna Müller im Januar 2015 beim Amtsgericht Pforzheim den Insolvenzantrag für ihr „Baukonzept MM“ stellte, seien von ihnen in dem Wissen um die unmittelbar bevorstehende Insolvenz fünfstellige Beträge eingefordert und mit dem Versprechen verbunden worden, damit könnten die aus finanziellen Gründen ins Stocken geratenen Bauarbeiten fortgesetzt werden. Die Handwerker beklagen derweil eine Vielzahl offener Rechnungen.

An die hundert Familien – die genaue Zahl weiß niemand – sehen sich um ihre Ersparnisse gebracht. Die Wut unter ihnen ist groß. Sie wurde gesteigert dadurch, dass sie sich mit einer Insolvenzquote abfinden sollen, die der von ihnen beauftragte Rechtsanwalt Jens Gröner zwischen zwei bis fünf Prozent beziffert. Gröner spricht von einem Schaden von rund fünf Millionen Euro. Der mit Nachforschungen beauftragte Detektiv Nikolaus Klären legt noch eine Schippe drauf. Er spricht gar von bis zu zehn und mehr Millionen Euro. Allein bei einem größeren Projekt in Waghäusel liege die Summe bei 1,5 Millionen Euro. Wo das Geld geblieben ist, weiß niemand.

Zu einem Spottpreis habe der mittlerweile aus seiner ersten Insolvenz restschuldbefreite Martin Müller den Maschinenpark der insolvent gegangenen Firma der Ehefrau übernommen. Müller habe nämlich zwei Wochen vor dem Insolvenzantrag seiner Ehefrau das neue Unternehmen „Planfabrik MM“ mit Niederlassungen in Ispringen und auf Ibiza gegründet. Gleichzeitig seien von den Müllers über die sozialen Medien Fotos verbreitet worden, die das Paar beim Urlaub auf Ibiza zeigen. So kam bei den betroffenen Familien der Verdacht auf, dass die Insolvenz durch massive Privatentnahmen gezielt herbeigeführt wurde.

Bank verweigert Kredit

Dajana Drost war stinksauer. Über lange Zeit sei danach nämlich nicht festgestanden, „ob wir alles verlieren“. Genauso bei Florian Jenz: „Hätte die Familie nicht gesagt wir unterstützen euch, dann wäre unser Haus verloren gewesen. Die Bank hat uns nichts mehr gegeben“, erinnert sich der Kürnbacher an schlaflose Nächte zusammen mit seiner hochschwangeren Frau. Die Wut habe sie beherrscht, sagt auch Claudia Raab, deren Hausbau in dem Flehinger Neubaugebiet „Hinter dem Berg“ gefährdet war. Nur mit totaler Einschränkung, Verzicht auf Urlaub habe die Situation überstanden werden können. Jetzt gehe es ihr gar nicht mehr so sehr um das verlorene Geld, sondern um die Gerechtigkeit: „Ich will diesen Mann bestraft und hinter Gittern sehen!“

Ähnlich reagieren Pforzheimer Handwerker, die von den Müllers Aufträge erhalten hatten, aber nicht bezahlt wurden. Durch die Zahlungsausfälle habe er selbst kurz vor der Pleite gestanden, berichtet Hasen Kabadayi. Zwischen Freiburg und Waghäusel habe er in mehreren Müller-Objekten die Fenster eingebaut, habe aber keinen Cent gesehen. Ähnlich bei Elekroinstallateur Clemens Lechler. Er habe falsches Vertrauen gehabt in einen von Martin Müller eingesetzten Bauleiter. Schon die zweite Abschlagsrechnung sei nicht bezahlt worden.

Während der Bruchsaler Pressekonferenz führten nicht nur die Insolvenz-Opfer, sondern auch Rechtsanwalt Jens Gröner Klage über die Untätigkeit der Staatsanwaltschaft Pforzheim. Diesen Schuh will die sich allerdings nicht anziehen. Man ermittle sehr wohl und sehr gründlich, widersprach Bernhard Ebinger. Der Pressesprecher und erste Staatsanwalt bestätigte, dass eine ganze Reihe von Anzeigen wegen Betrugs gegen Corinna Müller eingegangen seien.

Da es sich bei dem Vorgang um „ein hochkomplexes Wirtschaftsstrafverfahren“ handle, sei es durchaus normal, dass die Ermittlungen schon weit über ein Jahr laufen. Die Dauer der Ermittlungen könne kein Hinweis auf den Ausgang geben. Im gegenwärtigen Moment sei noch nicht abzusehen, wann die Ermittlungen abgeschlossen sein werden.

Martin Müller selbst war gegenüber der PZ nur zu einer sehr eingeschränkten Stellungnahme bereit. Er räumte ein, dass es bei allen Insolvenzverfahren zu Härten kommen könne. Alle Gelder seien ordnungsgemäß an den Insolvenzverwalter gegangen, insbesondere auch der Erlös aus dem Verkauf des Fachwerkhauses in Ispringen.