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13.06.2008

Das PZ-Interview mit Michael Hagenmeyer: „Solarenergie hat höchste Priorität“

Baden-Württemberg international (bw-i) in Stuttgart ist für die Standortförderung und Internationalisierung des Landes zuständig. Über die Boombranche Solar und die Intersolar unterhielt sich bw-i-Chef Michael Hagenmeyer mit PZ-Redakteur Gerd Lache.

Pforzheimer Zeitung: Welchen Stellenwert hat die Solarindustrie
für die Standortförderung hier im Südwesten?
Michael Hagenmeyer:  Mit den Solarregionen Freiburg und Stuttgart, zahlreichen renommierten Herstellern von Solarzellen und Fotovoltaikmodulen wie der Solar Fabrik AG und der Würth Solar sowie namhaften Forschungsinstituten wie dem Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) hat die Solarbranche in Baden-Württemberg ein enormes Wachstums- und Entwicklungspotenzial. Eines der größten Energieunternehmen, die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW), hat seinen Hauptsitz im Land und technische Highlights von ABB, Siemens, der S.A.G. Solarstrom und andere bereichern die Branche.

PZ: Welche Angebote hat bw-i am Stand auf der Intersolar 2008 in München?
Hagenmeyer: Bereits zum vierten Mal ist bw-i mit einem Gemeinschaftsstand auf der Intersolar vertreten, um mit Unternehmen und Forschungsinstituten wie Taconova, HB-Tech, Solar-Energie-Zentrum Stuttgart, der Hochschule Offenburg den Solarstandort Baden-Württemberg zu präsentieren. bw-i bietet auf der Intersolar neben einer Kontakt- und Kooperationsbörse einen besonderen Service an: Die Top Tour Solarenergie bietet Unternehmen, Consultern, Journalisten und Vertretern anderer Länder eine mehrtägige Informationsreise zu namhaften Forschungsinstituten, Firmen und Hochschulen aus dem Bereich der Solarenergie zum Solarstandort Baden-Württemberg an.

PZ: Die Intersolar entstand im Südwesten und ist nun nach Bayern abgewandert. Schmerzt das den obersten Standortförderer des Landes?
Hagenmeyer: Natürlich ist es bedauerlich, dass die Intersolar aus Freiburg abgewandert ist. Diese Entscheidung erfolgte zunächst aus Kapazitätsgründen. Es haben sich mehrere Messeplätze bemüht, die Intersolar in Baden-Württemberg zu halten. Diese Bemühungen wurden auch seitens der Landesregierung unterstützt, auch bw-i hat sich für einen Verbleib der Messe in Baden-Württemberg eingesetzt. Schlussendlich waren jedoch wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend. Nach wie vor kommt aber der Veranstalter aus Baden-Württemberg und auch die Messe Freiburg ist bei der Realisierung der Intersolar aktiv beteiligt.

PZ: Bayern hat zum Solarland Nummer eins in Deutschland entwickelt und damit den Südwesten hinter sich gelassen. Gleichzeitig entstehen in den neuen Bundesländern zahlreiche neue Solarfirmen. Hat unser Bundesland hier die Entwicklung verschlafen?
Hagenmeyer: Die Solarenergie-Branche ist eine der weltweit am schnellsten wachsenden Branchen. Deutschland nimmt bei diesem Wachstum eine sehr wichtige Stellung ein. Eines der Bundesländer, das am meisten zu dem deutschen Erfolg beiträgt, ist Baden-Württemberg. Der Südwesten Deutschlands bietet Unternehmen aus dem Bereich der Solartechnik ausgezeichnete Bedingungen. Auch hierzulande wird weiterhin stark im Solarbereich investiert.
So hat zum Beispiel die Würth-Solar 55 Millionen Euro in eine neu eröffnete Fabrik investiert, die weltweit erstmals siliziumfreie Solarmodule in Serie herstellt. Die Reihe dieser Beispiele ließe sich fortsetzen. Es ist daher müßig darüber zu streiten, ob nun Bayern oder Baden-Württemberg das stärkste Solarland in Deutschland ist.
Die Ansiedlungen von Unternehmen in Ostdeutschland hängt im Übrigen auch im Solarbereich eng damit zusammen, dass Unternehmen, die sich für einen Standort in den neuen Bundesländern entscheiden, nach wie vor massiv subventioniert werden; dies ist in Baden-Württemberg nicht der Fall, es hat die Entwicklung somit keinesfalls verschlafen; die Solarenergie und die gesamten Erneuerbaren Energien genießen sowohl bei der Politik als auch bei der Standortförderung und Standortwerbung höchste Priorität.