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Das Lächeln der politischen Akteure täuscht über die tatsächliche wirtschaftliche Lage hinweg (von links): Brasiliens Präsident Michel Temer, Indiens Premierminister Narendra Modi, Chinas Präsident Xi Jinping, Russlands Staatschef Vladimir Putin und Südafrikas Präsident Jacob Zuma.  WANG ZHAO
Das Lächeln der politischen Akteure täuscht über die tatsächliche wirtschaftliche Lage hinweg (von links): Brasiliens Präsident Michel Temer, Indiens Premierminister Narendra Modi, Chinas Präsident Xi Jinping, Russlands Staatschef Vladimir Putin und Südafrikas Präsident Jacob Zuma. WANG ZHAO
18.10.2016

Das Wachstum in den Brics-Staaten ist deutlich zurückgegangen

Für die einstigen Hoffnungsträger der Weltwirtschaft ist die Luft dünner geworden. Obwohl die fünf Brics-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika am Wochenende auf ihrem Gipfel im indischen Goa demonstrativ ihre Wirtschaftskraft und ihren wachsenden Handel betonten – mindestens drei von ihnen geht es wirtschaftlich durchwachsen bis schlecht. Die Lage in den fünf Ländern im Überblick.

Brasilien: Das Land steckt in einer tiefen Rezession. 2015 brach die Wirtschaftskraft um 3,8 Prozent ein. Experten rechnen bis 2017 mit weiteren Rückgängen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Preise steigen, der Konsum bricht weg, die Landeswährung Real ist eingebrochen, die Staatskassen sind leer. Brasilien leidet als Ölexporteur unter den Dumping-Ölpreisen. Auch politisch steckt das Land in einer Krise. Führende Politiker stehen wegen Korruptionsvorwürfen im Visier der Justiz. Ex-Präsidentin Dilma Rousseff wurde im August aus dem Amt gejagt. Ihr Nachfolger Michel Temer will das Land mit Reformen aus der Rezession holen.

Russland: Seit dem vergangenen Jahr schrumpft die Wirtschaft, die Preise steigen. Vor allem die niedrigen Ölpreise machen dem Förderland zu schaffen. Hinzu kommen Sanktionen des Westens wegen der Ukraine-Krise. Um die klammen Staatskassen aufzufüllen, setzt Präsident Wladimir Putin auf Privatisierungen und hofft auf Einnahmen von umgerechnet über 13 Milliarden Euro in diesem Jahr. Es wäre die größte Privatisierungswelle seit den 1990er-Jahren – doch bislang geht es schleppend voran. Unterdessen kämpft Putin zusammen mit dem Ölkartell Opec gegen die Dumping-Ölpreise. Einen Etappensieg erreichten die Förderländer im Oktober, indem sie eine Einigung auf eine Förderbegrenzung signalisierten. Die Ölpreise legten daraufhin zu.

Indien: Wachstumssorgen hat der Subkontinent zurzeit keine. Der Internationale Währungsfonds sagt ein Wirtschaftswachstum von 7,6 Prozent in diesem und im kommenden Jahr voraus. Die Inflation, früher regelmäßig über zehn Prozent, bleibt stabil zwischen fünf und sechs Prozent. Die Regierung hat zahlreiche Wirtschaftszweige für direkte Auslandsinvestitionen geöffnet. Doch mindestens zwei Drittel der Bevölkerung sind von dem neuen Wohlstand ausgeschlossen. Die 800 Millionen Inder, die auf dem Land leben, haben heute weniger Nahrung zur Verfügung als in den 1970er-Jahren. Auf dem Welthungerindex steht Indien auf Platz 97 von 118.

China: Die Boom-Jahre sind vorbei. Nach mehr als 14 Prozent Wirtschaftswachstum im Vorkrisenjahr 2007 hat sich die Rate inzwischen auf unter sieben Prozent mehr als halbiert. Ein Drama ist das nicht, sondern vielmehr Teil eines von Peking angestrebten Wandels. Statt den Weltmarkt mit Billigprodukten zu fluten, will Chinas Führung die Binnenwirtschaft stärken und mehr auf Dienstleistungen setzen. Wohlstand statt Billiglöhne, lautet die Devise. Enorme Überkapazitäten in der Schwerindustrie, steigende Immobilienpreise und rasant wachsende Schulden der Unternehmen wecken Zweifel. Chinas Banken stehen wegen fauler Kredite vor erheblichen Problemen.

Südafrika: Seit Jahren verliert die Wirtschaft an Schwung, 2015 lag die Wachstumsrate bei nur noch einem Prozent. Momentan sieht es noch schlechter aus. Südafrika lebt auf Pump. Die Importe übersteigen die Exporte. Um das zu finanzieren, ist das Land auf ausländische Investoren angewiesen. Führende Ratingagenturen bewerten Südafrika als Gläubiger nur noch eine Stufe über Ramsch-Niveau. Neben der flauen Konjunktur sorgen politische Unsicherheiten für Skepsis. Präsident Jacob Zuma wird Korruption vorgeworfen.