


Die Erwartungen der Metall-Beschäftigten für die bevorstehende Tarifrunde sind hoch. Ging die IG Metall angesichts der Krise für 2010/11 noch mit der unbezifferten Forderung nach einer fairen Beteiligung in die Verhandlungen, so ist es in diesem Jahr ein ordentlicher Lohnzuwachs. Bis zu 6,5 Prozent mehr Geld – mit dieser Forderungsempfehlung schlägt die IG Metall im traditionell wichtigen Bezirk Baden-Württemberg einen ersten Pflock ein.
Die Tarifverhandlungen in den Bezirken für die Branche mit bundesweit 3,6 Millionen Beschäftigten beginnen Mitte März. „Die Kollegen wollen einen Schluck aus der Pulle“, sagt Wolfgang Barz vom Pumpenhersteller Allweiler aus Radolfzell. Für ein deutliches Plus im Portemonnaie würden sie auch auf die Straße gehen, ist der 54-Jährige überzeugt. Nach dem für seine Firma guten Jahr 2011 sei der Nachholbedarf groß.
Deshalb schaut die IG Metall bei ihrer Forderung für eine Laufzeit von zwölf Monaten auch nach hinten: Sie bezieht ein Verteilungssaldo von 1,6 Prozent – errechnet aus Produktivität und Inflation nach Abzug der Tariferhöhung – für das vergangene Jahr in ihre Forderung ein. Für 2012 beziffert sie das Verteilungssaldo auf 2,2 Prozent. Auf diese Basis von insgesamt 3,8 Prozent für 2011 und 2012 packt die Gewerkschaft noch ein Prozent für die ersten drei Monate 2013 sowie eine Umverteilungskomponente von 1,7 Prozent darauf.
Mit dem „Nachschlag“ für 2011 können die Arbeitgeber im Südwesten nichts anfangen und verweisen darauf, dass Tarifpolitik stets künftige Entwicklungen im Blick haben müsse. Bei einem solchen „Paradigmenwechsel“ spiele man nicht mit, ließ Südwestmetall wissen.
Auch die beiden qualitativen Themen – unbefristete Übernahme von Auszubildenden und Mitbestimmung bei Leiharbeit – werden Zündstoff für die Gespräche liefern. Denn das Heft des Handelns im Betrieb werden die Arbeitgeber sich so leicht nicht aus der Hand nehmen lassen. Die IG Metall setzt dagegen, dass das Bild eines nach eigenem Gutdünken agierenden Fabrikanten im Jahr 2012 der Vergangenheit angehören müsse.
Dem IG-Metall-Jugendvertreter Kai Saaler vom Autozulieferer Hella in Schönau ist besonders das Thema unbefristete Übernahme wichtig. Er meint, ein gute Zukunftsperspektive sei das Mittel der Wahl für die Firmen, um junge Menschen auch in ländlichen Gebieten wie dem Schwarzwald zu halten. „Außerdem bringen die Jungen frischen Wind in die Firma und können auch kräftiger zulangen als die Älteren“, sagt der 25-jährige Mechatroniker. Mirko Geiger, Leiter der IG-Metall-Verwaltungsstelle Heidelberg, pflichtet bei: „Das ist bei uns eine sehr populäre Forderung – schließlich hat doch jeder einen Sohn oder Enkel.“
Bislang müssen Metall-Auszubildende nur für ein Jahr befristet übernommen werden. Die Gewerkschaft will die Branche angesichts des Fachkräftemangels durch sichere Beschäftigungsmöglichkeiten für Junge attraktiv zu machen. Die Arbeitgeber befürchten, dass im Fall einer solchen Regelung weniger Firmen über Bedarf ausbilden.
Den Gewerkschafter Robert Heinzelmann aus Oberndorf am Neckar beschäftigt das Thema Leiharbeit. „Die Hire-and-Fire-Mentalität nimmt zu“, sagt er.
Autor: Julia Giertz





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Leserkommentare (73)
Mehr KommentareEin Lohnplus von 6,5% ist bei der derzeitigen Inflationsrate noch als moderat anzusehen. mehr...
Immer feste drauf. Hat eigentlich noch niemand bemerkt dass jede prozentuale Lohnerhöhung immer eine Umverteilung von unten nach oben ist. Zum Nachrechnen: Bei 1000 Euro plus 6,5% = plus 65 Euro. Bei 10 000 plus 6,5% = plus 650 Euro. Der "Kleine" hat nicht mal einen Inflationsausgleich. Der "Große" weiß nicht mehr wohin mit dem Geld. Wo Arbeitslose und Kleinrentner bleiben interessiert die Gewerkschaftsbonzen einen Dreck. Es gibt auch keinen einzigen Unternehmer der höhere Lohnkosten nicht ...... mehr...
Wahrscheinlich bin ich schon zu reich und zu satt, aber mir ist eine andere Forderung viel wichtiger: Die Forderung nach der unbefristeten Übernahme von Lehrlingen nach der Ausbildung. In Zeiten wie diesen und denen, die uns möglicherweise noch bevorstehen, ist es wichtig, dass junge Menschen eine Perspektive erhalten und nicht von der Ausbildung in die Befristung in die nächste Befristung in die Arbeitslosigkeit oder Leiharbeit kommen. Das darf kein Regelfall werden! Die jungen Menschen ...... mehr...