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Der designierte neue Bahn-Chef Richard Lutz. Foto: Pedersen
Der designierte neue Bahn-Chef Richard Lutz. Foto: Pedersen
15.03.2017

Der Unerwartete: Richard Lutz wird Bahn-Chef

Berlin. Richard Lutz hatten die wenigsten auf der Rechnung. Andere Namen wurden für den Vorstandsvorsitz bei der Deutschen Bahn genannt: Siegfried Russwurm etwa, der scheidende Siemens-Technikchef, oder Andreas Meyer, der Chef der Schweizerischen Bundesbahnen. Nun rückt aber Bahn-Finanzvorstand Lutz als Nachfolger von Rüdiger Grube an die Spitze. Kein Menschenumarmer wie Grube, ein Zahlentyp, freundlich, korrekt und bisher sehr sparsam mit öffentlichen Auftritten

Am Donnerstag kommender Woche wird es einen besonderen Auftritt geben: Die Vorstellung der Jahresbilanz 2016, erstmals mit Lutz in der Mitte des Podiums, als Vorstandschef. Seine Berufung ist eine Überraschung, wahrscheinlich Resultat eines Kompromisses, aber er ist wohl kein Übergangskandidat. Mit 52 Jahren ist Lutz jung genug, um den Posten eine längere Zeit zu behalten, wenn er seine Sache gut macht. Nach den üblichen Usancen dürfte er einen Fünfjahresvertrag erhalten. Vier Männer aus der Bundesregierung hatten sich nach dpa-Informationen am Montag auf ihn als neuen Bahnchef geeinigt: Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), Vize-Kanzler Sigmar Gabriel (SPD), Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU). Der Bund ist alleiniger Eigentümer des Unternehmens Deutsche Bahn. Formal ernennt der Aufsichtsrat den Vorstandsvorsitzenden. Das soll in der Sitzung am Mittwoch nächster Woche geschehen.

Der Betriebswirt Lutz ist bereits seit 1994 bei der Bahn, seit 2010 Finanzvorstand und seit Sommer 2015 zudem für die internationalen Geschäftsfelder DB Arriva und DB Schenker Logistics zuständig, die der sonst nüchterne Manager „unsere schönsten Töchter“ nennt. Außerdem gehören die Beschaffung und die Informationstechnologie zu seinem Verantwortungsbereich. Er kennt das komplexe Gebilde Bahn damit aus dem Effeff, ohne Ingenieur zu sein wie seine Vorgänger Grube und Hartmut Mehdorn.

Für die Minister ist Lutz damit eine verlässliche Größe. Es ist zu erwarten, dass er den Kurs Grubes erst einmal fortführt, vor allem das Programm „Zukunft Bahn“, mit dem Service und Qualität für die Kunden verbessert und die Güterbahn aus ihrer Krise geführt werden soll.

Dass Lutz diese Kontinuität verkörpert, ist für manche genau das Problem. Man habe sich damit „für den Status quo entschieden und nicht für den Aufbruch“, bemängeln Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter und Grünen-Bahnexperte Matthias Gastel. Der Konzern müsse sich wieder stärker auf seinen Markenkern konzentrieren – den Personenverkehr. Das Tandem Grube/Lutz steht zudem für einen bis Mitte 2016 auf 18,1 Milliarden Euro gewachsenen Schuldenberg.

Einer, der sich lange Hoffnung auf den Bahnchef-Posten machen konnte, ist nun nach dem überraschenden Rücktritt Grubes Ende Januar aus dem Rennen: Ronald Pofalla, früher Kanzleramtschef unter Angela Merkel. Die SPD wollte den CDU-Mann nicht.