

Raus aus der Nische: Über Jahre waren deutsche Hersteller in den USA eine Randerscheinung, doch nun drängen sie in einem wachsenden Markt mit aller Macht nach vorne. Amerikanische Autokäufer finden zunehmend Gefallen an VW, BMW, Mercedes & Co. Zur Automesse in Detroit, die gestern begonnen hat, wittern die Hersteller die Chance, das erwartete schwache Autojahr in Europa in der neuen Welt wettzumachen.
„Das Image deutscher Marken in den USA ist gut, weil sie in puncto Qualität, Sicherheit, Design, Zuverlässigkeit und Effizienz zur Weltspitze zählen“, sagt Deutsche-Bank-Auto-Experte Eric Heymann. Der Marktanteil der deutschen Autohersteller in den USA steigt seit Jahren kontinuierlich und lag 2011 bei über acht Prozent – 2005 waren es rund fünf Prozent. Wie riesig das Potenzial noch ist, zeigt ein Blick auf die asiatischen Autobauer: Allein Toyota kam 2011 auf fast 13 Prozent. Jeder fünfte Neuwagen (20 Prozent) lief indes bei der Nummer eins General Motors (GM) vom Band. Einen entscheidenden Faktor für den langsamen, aber stetigen Vormarsch deutscher Marken sehen Manager und Experten in der Präsenz vor Ort. Ein Jahr nach dem Start der Passat-Produktion in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee will VW nun 2012 eine halbe Million Autos absetzen. VW kommt mit der Produktion kaum hinterher, so stark ist die Nachfrage nach dem Wagen, der mit einem Basispreis von 20000 Dollar gegen den bisherigen Mittelklasse-Primus Toyota Camry antritt.
Daimler wappnet sich mit einer Motorenfertigung vor Ort für steigende Verkäufe. Genauso wie Erzrivale BMW haben die Schwaben seit längerem ein Werk in den USA. Bald soll auch die Mercedes C-Klasse für den US-Markt in Tuscaloosa im Bundesstaat Alabama produziert werden. Auch Audi-Chef Rupert Stadler hat die Eröffnung eines erstes US-Werkes angekündigt: „Bei mir im Herzen und im Kopf ist die Entscheidung für ein Werk in Nordamerika klar.“
Auto-Experte Willi Diez erkennt klare Vorteile in der US-Produktion: Es gebe verhältnismäßig günstige Arbeitskräfte an den Standorten im armen Süden des Landes, preiswerte Zulieferer und staatliche Zuschüsse. Zudem gingen die Hersteller kein Wechselkursrisiko mehr ein wie beim Import aus Deutschland.
Im vergangenen Jahr kauften die Amerikaner insgesamt 12,8 Millionen Autos.
Autor: Harald Schmidt






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