

NORDSCHWARZWALD/BERLIN. Deutschland steht als Reiseland hoch im Kurs – nicht nur bei den Bundesbürgern. Auch die europäischen Nachbarn sowie Asiaten und Amerikaner entdecken zunehmend die touristischen Vorzüge der deutschen Städte und Landschaften. Nachdem im vergangenen Jahr erstmals die Marke von 60 Millionen Übernachtungen ausländischer Gäste übersprungen wurde, ist 2011 ein weiterer Aufwärtstrend absehbar. Spätestens in zehn Jahren sollen es 80 Millionen Übernachtungen sein. Davon geht die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) aus, wie DZT-Chefin Petra Hedorfer gestern auf der Reisemesse ITB in Berlin erklärte.
Elke Schönborn vom Geschäftsbereich Tourismus der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald (Sitz: Freudenstadt) erwartet, dass der nördliche Schwarzwald ein gutes Stück vom Tourismus-Kuchen abbekommen wird, wie sie gestern im PZ-Gespräch sagte. So lägen die Pfingstferien in diesem Jahr erst im Juni, so dass einige Erholungsuchende ihren Jahresurlaub damit verbinden würden. Da Tunesien und Ägypten in diesem Jahr wegen der Unruhen dort als Destinationen wegfallen, so Schönborn, würde wohl ein Teil der Reisenden nach Spanien und in die Türkei ausweichen. Aber: Bereits jetzt würden einige große Reiserveranstaltern für die Pfingsttage Engpässe ankündigen. Eine gute Chance für Urlaubsgebiete wie den Nordschwarzwald. „Wir haben genügend Unterkunftskapazitäten und es gibt ein reichhaltiges Angebot an Freizeitmöglichkeiten“, sagte die IHK-Tourismusexpertin. Komme hinzu: „Das Wetter ist im Juni bei uns ohnehin sehr gut.“ Indes: „Die Urlauber entscheiden sich immer kurzfristiger für ein Ferienziel“, sagte Schönborn.
Nach Angaben von DZT-Chefin Petra Hedorfer schiebe sich Deutschland seit 2004 auf der Beliebheitsskala bei europäischen Reisenden nach vorn – jetzt schon auf Platz zwei hinter Spanien und noch vor Frankreich, gefolgt von Italien und Österreich. Niederländer und seit kurzem auf Platz zwei die Schweizer seien die häufigsten Übernachtungsgäste. „Die Reisenden treibt die Sehnsucht nach der Alternative“, erklärt Hedorfer. Urlaub von den Bergen, sagen die Schweizer. Deutschland biete Vielfalt und Qualität. Auch sei das Preis-Leistungs-Verhältnis im europäischen Vergleich sehr gut.
Der DZT zufolge werden die meisten Reisenden langfristig aus dem Euroraum kommen, wobei aus den Urlaubsländern Spanien und Italien noch mehr Besucher zu erwarten seien. Auch Russen und Polen seien immer häufiger unter den Gästen. Hohe Zuwächse werden aus den großen Schwellenländern erwartet – mit steigender Wirtschaftskraft nehme auch die Reiselust zu. „China und Indien sind die künftigen Top-Wachstumsmärkte für Deutschland“, auch im Tourismus, erklärte Hedorfer. Der DZT-Prognose zufolge dürften sich die Übernachtungen von chinesischen Reisenden bis 2020 von derzeit 1,1 Millionen verdoppeln.
Einschließlich der einheimischen Gäste könnten 2011 in Deutschland erstmals bis zu 390 Millionen Übernachtungen erzielt werden, schätzt die DZT, die für die Vermarktung des Deutschland-Tourismus zuständig ist. „Der Trend zu Reisen im eigenen Land hält an“, betont Hedorfer.
Autor: Gerd Lache und dpa





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