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Vor  einem  Jahr   protestierten die Beschäftigten von Harman Becker in Ittersbach gegen den drastischen Personalabbau. Als Missachtung der Arbeitnehmervertretung bezeichnet IG Metall-Chef Martin Kunzmann (links) die aktuelle Entscheidung der Geschäftslei
Vor einem Jahr protestierten die Beschäftigten von Harman Becker in Ittersbach gegen den drastischen Personalabbau. Als Missachtung der Arbeitnehmervertretung bezeichnet IG Metall-Chef Martin Kunzmann (links) die aktuelle Entscheidung der Geschäftsleitung, den Bereich mobile Navigation aufzugeben.
© PZ-Archiv/Seibel

Empörung über Harman Becker

KARLSBAD. Noch haben sich die Wogen über den drastischen Stellenabbau beim Automobilzulieferer Harmann Becker nicht geglättet, da trifft den Standort Ittersbach der nächste Tiefschlag: Weitere 44 Stellen fallen weg.

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Völlig überraschend stellt Harman International nämlich sämtliche Aktivitäten im Bereich der mobilen Navigation ein und verkauft den Markennamen Becker an den Konkurrenten Falk. Betriebsrat und IG Metall sind stinksauer über das Vorgehen der Harman-Geschäftsleitung, über das man erst am Montag informiert worden sei. Auch die betroffenen 44 Ittersbacher Mitarbeiter im Bereich Vertrieb und Kundendienst für mobile Navigationsgeräte wurden quasi vor vollendete Tatsachen gestellt. „Ein grober Verstoß gegen die betriebliche Mitbestimmung“, wettert der Pforzheimer IG-Metall-Chef Martin Kunzmann. „Ein schlechter Stil für einen Weltkonzern.“ Harman International hatte schon im vergangenen Jahr mit der Ankündigung eines Personalabbaus von 950 Stellen für Negativschlagzeilen gesorgt (die PZ berichtete). Der Automobilzulieferer gehörte damit zu den bundesweit zehn größten Stellenstreichern. Nach Aussage von Betriebsrat Klaus Rupp handelt es sich bei der aktuellen Entscheidung im Bereich Navigationssysteme um eine neue Maßnahme, die im bisherigen Umstrukturierungskonzept noch nicht enthalten war. „Das war ein Schlag in die Magengrube der Beschäftigten kurz nach dem Jahreswechsel.“ Umso schlimmer, als sich die Auftragslage im Kerngeschäft zuletzt wieder verbessert habe. „Die Verlagerung einer laufenden Produktion ins Ausland ist nicht sinnvoll“, machte Rupp deutlich. Leider habe sich die Geschäftsleitung nicht zum Einlenken bewegen lassen, um den drastischen Personalabbau zu reduzieren. „Gute Leute werden jetzt wieder gebraucht.“

Bei mobilen Navigationsgeräten, die vorwiegend in Elektronikmärkten vertrieben werden, herrscht ein harter Preiskampf. Das neu gegründete Unternehmen United Navigation mit Sitz in Ostfildern wird künftig Geräte der Marken Falk und Becker vermarkten. An dem Unternehmen, das aus der Falk Navigation GmbH hervorging, hält Falk-Chef Frank Mair 80 Prozent der Geschäftsanteile. Elmar Peters hält fünf und der Verlag Mair Dumont 15 Prozent. Geräte der Marke Becker haben in Deutschland einen Marktanteil von 16 Prozent. Nach Informationen der PZ werden die mobilen Navigationssysteme aus Kostengründen in Asien produziert.

Harman International will sich nach der Aufgabe dieses Geschäftsfeldes konsequent auf Premium-Navigations-, Infotainment- und Audiosysteme für die Erstausrüstung im Automobil konzentrieren. Zu den Auftraggebern zählen Daimler, Audi und BMW. Der Personalabbau werde sozialverträglich gestaltet, heißt es in einer Pressemitteilung.

Autor: Lothar H. Neff

30.05.2011

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