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28.07.2011

EnBW berät über künftige Strategie

KARLSRUHE. Aufsichtsrat und Vorstand der Energie Baden-Württemberg (EnBW) haben sich gestern in Stuttgart zu einer Klausurtagung getroffen. Bei der Strategiesitzung kurz vor der Vorlage der Halbjahresbilanz geht es unter anderem um die künftige Ausrichtung des drittgrößten deutschen Stromkonzerns.

Die Inhalte seien „streng geheim“, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Bei der heutigen Vorlage der Halbjahreszahlen wird der Karlsruher Energieversorger die Verluste präzisieren, die bereits in der vergangenen Woche vorab veröffentlicht wurden. Demnach rechnet EnBW für die ersten sechs Monate des Jahres 2011 vor Zinsen und Steuern mit einem Minus von 590 Millionen Euro. Operativ stand in dem Zeitraum – vor Zinsen und Steuern – ein Plus von 875 Millionen Euro – 24 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2010. Doch hohe Abschreibungen wegen der stillgelegten Atommeiler und Wertberichtigungen aus Beteiligungen am niedersächsischen Partner EWE und dem österreichischen Stromunternehmen EVN sorgten für das Minus.Im Vordergrund der Klausurtagung dürfte die Frage stehen, womit die EnBW zumindest einen Teil des Geldes verdienen will, das durch den Atomausstieg wegfällt. Momentan sind mit Neckarwestheim I und Philippsburg I zwei der vier Kernkraftwerke des Konzerns stillgelegt. Mit ihre Hilfe waren im ersten Halbjahr 2010 noch 899 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet worden. Ein weiterer Meiler - Philippsburg II - wird nach Problemen mit einer defekten Elektronik an diesem Wochenende vorübergehend vom Netz genommen.Auch der Gasdeal mit dem russischen Gasproduzenten Novatek dürfte auf der Klausurtagung thematisiert werden. Die Karlsruher, die dazu bislang jede Stellungnahme ablehnten, streben offenbar eine Zusammenarbeit mit Novatek an. EnBW soll den Russen eine Beteiligung am Leipziger Gasgroßhändler Verbundnetz Gas (VNG) angeboten haben. Bis zu einem Viertel des 48-Prozent-Pakets will die EnBW an Novatek weiterreichen und im Gegenzug günstig Gas beziehen, hatten unternehmensnahe Kreise in der vergangenen Woche berichtet. lsw