

PFORZHEIM. Massive Engpässe bei den Goldhändlern: Wer derzeit Münzen und Barren kaufen will, muss mit längeren Lieferzeiten rechnen. Die Finanzkrise treibt vor allem Kleinanleger in den sicheren Hafen der Goldanlage.
Die Finanzkrise jagt den Goldkurs kräftig nach oben. Bernd Bauer, Leiter Edelmetallhandel bei der Sparkasse Pforzheim Calw, registriert in jüngster Zeit mit jeder veröffentlichten schlechten Nachricht einen Anstieg des Preises für das glänzende Metall. Vor allem Privatanleger, die derzeit Angst davor haben, dass ihr Geld auf einem Konto oder in einem Depot im Wert verfällt, flüchten derzeit in die Anlage von Goldmünzen und Goldbarren. Prägeanstalten und Gießereien kommen deshalb der steigenden Nachfrage kaum nach. Entsprechend gibt es gelegentliche Lieferengpässe.
„Die Gier nach dem sicheren Gold ergreift jetzt die breite Masse“, stellt Spiegel Online auf seiner Webseite fest und zitiert den Commerzbank-Analysten Eugen Weinberg. Demnach kletterte der Preis für eine Feinunze (31 Gramm) des gelbglänzenden Edelmetalls von 730 auf knapp 850 Dollar (603 Euro). Von den 3700 Tonnen Gold, die jährlich auf dem Markt gehandelt werden, habe die Schmuckindustrie einen Bedarfsanteil von 70 Prozent, sagte Jürgen Wachter von Heraeus, einem international agierenden Edelmetall- und Technologiekonzern mit Sitz in Hanau.
Das meiste Gold in Deutschland wiederum wird in Pforzheim und der Region verarbeitet. Hier fallen nach Angaben der Sparkasse Pforzheim Calw mit etwa 14 Tonnen Gold jährlich rund zwei Drittel des gesamten deutschen Goldbedarfs an. An diesem Volumen hat das öffentlich-rechtliche Institut einen Anteil von nahezu zehn Tonnen und ist damit nach eigenen Angaben deutschlandweit der größte Goldhändler.
Bernd Bauer, der dort den Edelmetallhandel leitet, machte deutlich, dass sich in der Goldstadt vor allem Unternehmen aus der Schmuckbranche mit Edelmetall eindecken. Sie haben laut Bauer allerdings schon vor Monaten ihre Läger gefüllt – zum Beispiel im Juli, als an der Börse in London der Preis auf rund 770 Dollar gefallen war. Die Pforzheimer Traditionsbranche – darunter auch Scheideanstalten – verhalte sich laut Bauer derzeit teilweise eher antizyklisch. Das heißt: Sie beteiligen sich nicht an der Hysterie durch Zukäufe, sondern verkaufen eher noch einen Teil ihrer Bestände. Auch Indien als einer der weltweit großen Goldverarbeiter gehöre zu den antizyklischen Marktteilnehmern.
Neben den Privatanlegern kaufen momentan hingegen vor allem professionelle Anleger ein, die das Gold wieder kurzfristig abstoßen und Gewinne realisieren wollten. Anders als die Kleinanleger, sie würden ihre Bestände meist über längere Zeit halten.
Ein Vorteil von Gold ist laut Bauer: Es sei nahezu steuerfrei. Während beispielsweise bei Silber und Platin 19 Prozent Mehrwertsteuer draufgeschlagen werden, entfalle diese Abgabe bei dem gelben Edelmetall.
Autor: Gerd Lache





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