




PFORZHEIM. Gold ist derzeit in aller Munde. Es geht dabei weniger um Zahngold als um das glänzende Rohmaterial in Barren- oder Münzenform. In US-Dollar bewertet, ist die Unze Feingold so teuer wie noch nie. Geht das so weiter?
Gestern gönnte sich der Goldpreis auf hohem Niveau eine Verschnaufpause bei 1050 US-Dollar (704 Euro) pro Feinunze. Das sind 31,1 Gramm. „Gold ist durchaus auch noch auf dem aktuellen Preisniveau für Privatanleger interessant“, erläutert Stephan Scholl, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Pforzheim Calw. Obwohl auf Dollarbasis ein Allzeithoch erreicht wurde, befinde sich der Europreis, aufgrund des schwachen US-Dollars, noch immer über zehn Prozent unterhalb des Preises von Februar 2009. „Gold ist als Depotbeimischung mehr denn je gefragt“, sagt Scholl. „Wer physisches Material bevorzugt kommt an Münzen und Barren nicht vorbei. Unser Haus bietet das sogenannte Goldkonto an, welches die Investionen in Gold zu günstigen Marktkonditionen ermöglicht und gleichzeitig die Möglichkeit bietet, das Edelmetall auch physisch zu beziehen,“ erläutert Scholl.
Was macht das gelbe Metall so interessant? „Einerseits wird Gold als Inflationsschutz angesehen, andererseits profitiert der Goldkurs in Krisenzeiten von der allgemeinen Verunsicherung“, ergänzt der stellvertretende Vorstandschef. „Nicht zuletzt die weltweit hohe Investmentnachfrage ist Zeichen dafür, dass Gold große Bedeutung beigemessen wird.“ Gründe für den aktuellen Kursanstieg seien vor allem der schwache US-Dollar, die wieder anziehenden Rohstoffpreise sowie die deutlich gestiegene Nachfrage von Finanzinvestoren.
Die Sparkasse Pforzheim Calw setzt jährlich über 13 Tonnen Gold physisch am Handelsplatz Pforzheim um und gilt damit als größter Goldhändler in Deutschland. Die weltweite Nachfrage wird auf 3600 Tonnen pro Jahr geschätzt, wobei der Großteil in der Industrie benötigt wird.
Von solchen Größenordnungen kann der Pforzheimer Roland Maier nur träumen. In seinem kleinen Ladengeschäft an der Bertholdstraße handelt er mit Gold und Silber in „haushaltsüblichen Mengen“. Die Geschäfte laufen gut, sagt er. „Gold geht nicht kaputt und ist eine solide Wertanlage.“ Der Händler sitzt hinter Sicherheitsglas, um sich vor ungebetenem Besuch zu schützen. Die Zeiten sind unsicher. Auf seinem Laptop verfolgt er die aktuellen Kursbewegungen, danach richtet sich der Preis, den er für ein Gramm Feingold bezahlt. Aus seinem Tresor holt er einen Krügerrand. Die südafrikanische Münze ist aus purem Gold und wiegt exakt eine Unze..
Der Preis für einen Krügerrand zwischen An- und Verkauf schwankt je nach Tageskurs zwischen 695 und 752 Euro. „Ich muss in meinem Laden etwas billiger als die Banken sein“, erklärt Maier. Die meisten seiner Kunden kommen aber mit Altgold, das sie bei ihm „versilbern“ wollen. Apropos Silber, das „Gold des kleinen Mannes“, sei ebenfalls eine beliebte Wertanlage. Maier erzählt von einem Kollegen in Berlin, der habe kürzlich 650 Kilo Silber an einen einzelnen Kunden verkauft. Der wuchtete die ganze Ladung in den Kofferraum seines Porsche-Geländewagens und fuhr davon. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise gab es vor einigen Monaten einen regelrechten Run auf alles was golden glänzte: Privatanleger kauften alles, was der Markt hergab. Bei der Herstellung von Barren und Münzen gab es aufgrund der großen Nachfrage Lieferschwierigkeiten.
„Die langen Lieferzeiten von Gold- und Silberbarren von teilweise bis zu acht Wochen im ersten Halbjahr gibt es nicht mehr, da der weltweite Nachfrage-Boom nach Investment-Barren seit Sommer doch deutlich nachgelassen hat“, erläutert Thomas Weiß, der bei der Allgemeine Gold- und Silberscheideanstalt in Pforzheim für den Edelmetallhandel verantwortlich ist. „Die Versorgung seitens der Produzenten ist gewährleistet, so dass Kunden, die jetzt Goldbarren kaufen möchten, auch kurzfristig beliefert werden können.“
Bei einer Prognose zum weiteren Verlauf des Goldpreises ist Weiß zurückhaltend: Der starke Anstieg werde aktuell vom schwachen US-Dollar getrieben. „Sollte diese Entwicklung andauern, sind durchaus auch noch höhere Unzenpreise möglich. In Euro gerechnet sei der momentane Goldpreis in Höhe von 24 Euro pro Gramm aber noch mehr als zwei Euro von seinem Höchstpreis entfernt. „Unter den aktuellen Bedingungen ist eine Trendwende recht unwahrscheinlich, mit kleineren Kurskorrekturen muss aber gerechnet werden.“ Weiterhin verzeichnen die Scheideanstalten stark gestiegene Altgoldankäufe. „Das Anliefervolumen von Altschmuck durch Privatkunden ist nach wie vor auf einem hohen Niveau“, ergänzt Weiß.
Autor: Lothar H. Neff





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