

Früher schulte Joachim Leis Mobile Einsatzkommandos (MEK) der Polizei und war zwei Jahre als Leiter des Personenschutzes eines Diplomaten in Lateinamerika und im Kampf gegen organisierte Kriminalität tätig. Heute hat es der Kriminalhauptkommissar außer Dienst mit einer ganz anderen Zielgruppe zu tun: Mit seiner Beratungsfirma MentalLeis in Ludwigsburg berät er Juweliere und deren Mitarbeiter über das richtige Verhalten im Fall von Überfällen und Trickdiebstählen. Neben praktischen Tipps bietet Leis spezielle Trainingsprogramme für den Ernstfall an – etwa bei einem kurzweiligen Vortrag in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband (BV) Schmuck und Uhren in Pforzheim.
Die Mitglieder haben in ihren Unternehmen täglich mit großen Mengen Edelmetalls zu tun und sind deshalb potenzielles Ziel von kriminellen Übergriffen. Die Zahl von Raubüberfällen hätte in den vergangenen Jahren um 20Prozent zugenommen. Darauf müsse ein Juwelier oder Schmuckreisender mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen reagieren.
Neben dem ausreichenden Sicherheitskonzept für Firmengebäude- und Ladengeschäft (Zeitschlösser) müsse auch das persönliche Verhalten passen, warnte Leis. Das fange schon beim Einchecken im Hotel oder dem Einparken in der Tiefgarage an, wenn man einen Koffer mit wertvollem Schmuck mitführt.
Wichtig sei es, die Ruhe zu bewahren. Panik könne lebensgefährlich werden, weil sich diese auf den Täter übertrage, „der ist schließlich auch nur ein Mensch und hat Angst“, so Leis. Falls der Räuber geschnappt werde, drohe ihm eine lange Haftstrafe. „Der Einbrecher will nicht mit ihnen kommunizieren. Wenn Sie ihm unerwartet in die Quere kommen, haben Sie schnell einen Schraubenzieher im Bauch.“
Also Ruhe bewahren und den Hormoncocktail im Körper im Griff behalten: „Suchen Sie sich im Geiste einen schönen Platz. Denken Sie an die einsame Insel oder den stillen Bergsee, um ihren Puls zu senken.“ Wichtig sei entschlossenes Auftreten. „Sprechen Sie ruhig mit dem Täter.“ Ein verdächtiges Fahrzeug vor dem Juweliergeschäft könne man durchaus näher in Augenschein nehmen. „Machen Sie ein Foto mit ihrem Handy. Das schreckt potenzielle Täter ab.“
Wichtig sei das Erkennen einer kritischen Situation. Wie wird ein Normalbürger zum Überfall- oder gar Mordopfer? Von 100 befragten Mördern in den USA hätten 86 ihr Opfer unbewusst aufgrund einer Bewegungsauffälligkeit ausgewählt, erzählte Leis. Man solle deshalb eine „typische Opferhaltung“ vermeiden, möglichst selbstbewusst auftreten ohne zu provozieren und möglichst nicht weglaufen. „Aber nicht den Helden spielen“, warnte Leis, der auch Selbstverteidigungskurse anbietet. Wichtig sei es, Öffentlichkeit herzustellen und mit dem Handy Hilfe zu rufen. „Wählen Sie überall die 112.“ Das Sicherheitstraining werde übrigens von der Berufsgenossenschaft bezahlt.
Autor: LothAr NEFF I PFORZHEIM





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