

Pforzheim. Die IG Metall wird für die Beschäftigten in Pforzheim und der Region wieder attraktiver. Das zeigt die aktuelle Mitgliederentwicklung, die gestern Gewerkschaftschef Martin Kunzmann der Presse erläuterte. „Im Januar waren wieder über 9000 Menschen, genau 9027, Mitglied der IG Metall Pforzheim.“
Das war ein Plus gegenüber dem Vorjahr um 2,3 Prozent. Noch deutlicher fällt dieser Zuwachs bei den jungen Beschäftigten mit 10,2 Prozent aus.
Um mehr Prozente geht es auch bei der anstehenden Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie, wo der Tarifbezirk Baden-Württemberg traditionell eine Pilotfunktion einnimmt. 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt fordert die IG Metall. „Wir wollen am wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen fair beteiligt werden“, sagte Kunzmann. „Deren Bilanzen 2011 sind durchweg positiv.“ Das zeige auch die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Nordschwarzwald. Die Beschäftigten hätten sich in der Zeit der Krise verantwortungsvoll und zurückhaltend verhalten, das habe – auch durch das Mittel der Kurzarbeit – Arbeitsplätze gesichert und letztlich den raschen Aufschwung ermöglicht. Die Forderung von bis zu 6,5 Prozent orientiere sich an den Wirtschaftsdaten.
Das bestätigten gestern auch Betriebsräte aus regionalen Unternehmen. Der Fahrzeugklima-Spezialist Behr habe eine lange Durststrecke überwunden, ergänzte Dieter Kiesling. Zuletzt habe der Kühlerbauer wieder ein ordentliches Ergebnis erwirtschaftet. „Wir kommen von der Vier-Tage-Woche und fahren jetzt wieder Überstunden und Sonderschichten“, so der Behr-Betriebsratsvorsitzende. Die Situation bei den Kfz-Premiumherstellern sehe gut aus.
Sein Betriebsratskollege von Witzenmann, Klaus Dieter Roller, bestätigte die gute Auslastung. Angesichts des viel beklagten Facharbeitermangels sei es unverständlich, dass viele Auszubildende in der Region nur befristet (Jahresverträge) übernommen würden. Bei Behr, Härter und Wieland Edelmetalle hätten die Geschäftsleitungen die Bedeutung der Fachkräftebindung erkannt, lobte Gewerkschaftssekretär Arno Rastetter. Dort gibt es keine Befristung mehr. „Das heißt aber nicht, dass die jungen Leute unkündbar sind.“ Im Gegenteil: Im Fall einer wirtschaftlichen Krise müssten die Mitarbeiter mit der kürzesten Betriebszugehörigkeit als erste gehen. Jugendsekretär Frederic Striegler warb auch für die Einstellung von schwächeren Schulabgängern, die sich oft in der betrieblichen Ausbildung bewährten. Mit einem Ergänzungstarifvertrag sei die Beschäftigung in der Produktion von Harman Becker in Karlsbad-Ittersbach bis 2015 gesichert worden, bestätigte Betriebsratsvorsitzender Klaus Rupp. Der Fahrzeugausrüster (Navigation und Infotainmentsysteme) hatte in der jüngsten Vergangenheit mit Verlagerung und Personalabbau Schlagzeilen gemacht. Dabei wurden auch hochqualifizierte Jobs gestrichen.
Wichtige Themen für die IG Metall sind neben der unbefristeten Übernahme aller Auszubildenden die Einschränkung der Leiharbeit. Statt damit Auftragsspitzen aufzufangen, würden Leiharbeiter oft jahrelang im Betrieb beschäftigt – und das zu schlechteren Löhnen. Bei Abele und Behr in Mühlacker, sowie Doduco und Wieland in Pforzheim gebe es keine Leiharbeit mehr, freut sich Kunzmann. Bei Inovan (Birkenfeld), pretema (Niefern) und G. Rau (Pforzheim) sei diese stark begrenzt worden.
Autor: Lothar H. Neff I Pforzheim





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