

Grundstück kaufen, Produktionshalle bauen, Maschinen reinstellen, Mitarbeiter einstellen – und los geht’s mit der Arbeit. So reibungslos funktioniert der Aufbau eines Industrieunternehmens nicht in Deutschland, dafür sorgen einige bürokratische Hürden.
Weitaus höhere Hürden aber haben ausländische Unternehmen in Indien zu überwinden. Das machte Wiestaw Kramski beim Unternehmertreffen des Wirtschaftsverbandes wvib am Firmenstammsitz der Kramski-Gruppe in Pforzheim auf der Wilferdinger Höhe deutlich. Weitere Kramski-Standorte neben Indien: USA und Sri Lanka. „Wichtig ist es, immer die jeweilige Landessitte zu beachten“, sagt der Unternehmensgründer. Beispiel Indien: Um den Notarvertrag für den Grundstückskauf zu unterzeichnen, musste Kramski die Konstellation der Gestirne berücksichtigen. „Ich bin mehrmals von Pforzheim aus angereist, bis der Verkäufer den richtigen Zeitpunkt bestimmt hatte.“
In Sri Lanka etwa „sind die Verträge genau dann unterschrieben worden, als die Planeten günstig standen“, erinnert sich Kramski. Ähnliches bei der Grundsteinlegung: Die Zeremonie müsse exakt in der „geheiligten Zeit stattfinden“. Andernfalls gar nicht. Ungewöhnlich für den deutschen Geschäftsmann: Es komme auch vor, dass die Bezahlung für eine Immobilie auf Wunsch des Verkäufers in bar erfolgen solle. Dann könne ein Betrag von einer Million oder mehr durchaus in einer Plastik-Einkaufstüte über den Tisch geschoben werden.
Kramski ist Mitglied im Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden (wvib) mit Hauptsitz in Freiburg. Mitgliederzahl: Knapp 1000. Rund 40 Betriebe aus dem Nordschwarzwald gehören dazu. Sie werden betreut von Uwe Golibrzuch. „Ein Netzwerk lebt von Begegnungen“, sagt er. Deshalb würden sich die wvib-Firmenvertreter regelmäßig zum Gedankenaustausch treffen. An der Kramski-Runde waren insbesondere jene Mitglieder interessiert, die bereits ein Standbein in Indien haben oder sich demnächst dort niederlassen wollen.
„Nichts dem Zufall überlassen“, lautet der Tipp von Wiestaw Kramski. Ständige Kontrolle sei wichtig, „am besten alles fotografieren“. Die Baupläne für das indische Werk hat er in Pforzheim erstellen lassen. Und bei Anträgen für Genehmigungen gelte: Lieber mehr beantragen, als man aktuell benötige. Denn: Spätere Genehmigungen könnten langwierig und teuer werden. Zudem: Wer sich als Unternehmen im Hinterland niederlasse, habe mangels Wettbewerbern ein geringeres Risiko, dass die Fachkräfte abwandern.
„Wir wünschen uns die deutsche Bürokratie“, hat Kramski angesichts mancher Hemmnisse schon gehört. Warum überhaupt ins Ausland? „Wir müssen nahe an unseren Kunden sein“, sagt Kramski. Konkret: Wenn sich beispielsweise Bosch in Indien niederlasse, komme sein Zulieferer Kramksi nicht daran vorbei, auch diesen Weg zu gehen. „Ich bereue unser Indien-Engagement bisher nicht“, resümiert er trotz mancher Hürden.
Autor: Gerd Lache






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