

SCHWÄBISCH HALL/PFORZHEIM. Mehr als 270 deutsche Weltmarktführer sitzen in Baden-Württemberg. Was ist deren Erfolgsgeheimnis? Am Dienstag und Mittwoch treffen sich etliche der „Hidden Champions“ in Schwäbisch Hall.
Sie sind häufig mittelständische Familienbetriebe, verschwiegen und gelten als besonders innovativ: Die baden-württembergischen heimlichen Weltmarktführer. Besonders viele dieser Unternehmen haben sich in der Region Heilbronn-Franken nordöstlich von Stuttgart niedergelassen. Zu den bekanntesten der etwa 90 Weltmarktführer in der eher ländlich geprägten Region zählen der Schraubenhersteller Würth und der Sitzhersteller Recaro.
Doch auch die Region Nordschwarzwald ist in diesem erlesenen Kreis mit einigen Vorzeige-Unternehmen vertreten. Aus Pforzheim kommt der Medizintechnik-Spezialist Admedes Schüssler, der sich auf die Entwicklung von Gefäßstützen (Stents) aus dem Werkstoff Nitinol konzentriert hat. Diese selbstexpandierenden Teile werden in dem menschlichen Körper implantiert, wo sie verstopfte Blutgefäße ersetzen. Die Firma Dentaurum aus Ispringen wurde 1886 als Zahnlabor gegründet und behauptet heute als familiengeführtes Unternehmen eine weltweit führende Position in der Herstellung von Dentalprodukten. Im Jahr 1968 gründete Peter Hofsaess in der Goldstadt das Unternehmen Thermik Gerätebau, das inzwischen zu den führenden Herstellern von Schutztemperaturbegrenzern für elektrische Geräte zählt. Ebenfalls in der Region Nordschwarzwald beheimatet sind die Weltmarktführer Fischerwerke (Dübel), Häfele (Baubeschläge) und die mittelständischen Maschinenbauer Arburg, Schmalz und Homag.
Gerade die Unternehmen in ländlichen Gebieten gingen meist besonders respektvoll mit den Mitarbeitern um, erläutert der Münchner Experte für Weltmarktführer und Herausgeber eines entsprechenden Lexikons, Bernd Venohr. In dem 700-seitigen Nachschlagewerk (ISBN 978-3-86936-221-2) stellt er insgesamt 800 Unternehmen vor. „Man kennt sich untereinander und trifft sich dann auch mal beim Einkaufen, das führt zu einem ganz anderen Führungsverhalten“, sagt der Unternehmensberater. Ein „Hire and Fire'“ sei da nicht so einfach möglich.
„Viele Menschen sind nach dem Krieg aufs Land zu ihren Verwandten geflüchtet und haben sich hier etwas aufgebaut“, ergänzt Steffen Schoch, Geschäftsführer der Standortmarketing-Gesellschaft Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH. In der stark landwirtschaftlich geprägten Gegend übernehme traditionell der Erstgeborene den Hof, die anderen Nachkommen hätten den Unternehmen als potenzielle Arbeitnehmer zur Verfügung gestanden. Ein Pluspunkt, meint Schoch. „Die Menschen aus der Landwirtschaft sind große Tüftler und handwerklich äußerst begabt, außerdem packen sie einfach an, wenn's was zu tun gibt.“ Akademisch ausgebildet wird der Nachwuchs in jener Region zudem auf der deutschlandweit einzigen Fachhochschule für Vertriebsmitarbeiter in Schwäbisch Hall sowie einer Fachhochschule in Künzelsau.
Die Unternehmen zeichnet branchenübergreifendes Denken und eine hohe Innovationsfreude aus: „Man ist nicht über den Preis und die Masse erfolgreich, sondern über die Nischenprodukte.“
Autor: Lothar H. Neff und Claudia Bell





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