



Das Königsbacher Galvanik-Unternehmen IMO mischt in der Oberflächentechnik weltweit vorne mit
Da ist tatsächlich nicht alles Gold was glänzt – in der Bandgalavanik der Firma IMO Oberflächentechnik in Königsbach-Stein. Soll es auch nicht sein, denn dort geht es angesichts der hohen Edelmetallpreise um die Einsparung von kostbaren Rohstoffen. Es ist übrigens der größte europäische Standort für die galvanische Beschichtung von metallischen Oberflächen. Die 30 Bandgalvanik-Anlagen laufen von Montag bis Samstag im Drei-Schicht-Betrieb. „Ohne die passende Beschichtung ist ein Stanzteil nicht funktionsfähig“, erläutert Produktionsleiter Michael Blaich. Elektrische Schalter, Schnappscheiben für das Handy, generell alle Produkte für die Elektronikindustrie werden deshalb beschichtet. Das ist der Job von Blaich und seinen Mitarbeitern in der Bandgalvanik von IMO. Er ist seit 20 Jahren im Unternehmen tätig, kennt alle Materialien und Beschichtungstechniken.
Oft scheitert das Einsparen von Edelmetall an der komplexen Geometrie der Stanzteile. „Daher ist es wichtig, die Galvanik frühzeitig in die neuen Projekte einzubinden“, erklärt Blaich. Früher wurden flache Stanzteile zunächst galvanisiert und in einem zweiten Arbeitsgang verformt. Heute werden die Oberflächen erst zum Schluss beschichtet. Die tägliche Herausforderung liegt darin, auch auf gebogene Stanzteile das Gold selektiv aufzubringen.
Darauf hat sich die Firma IMO Oberflächentechnik spezialisiert. Dort wird in der eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung die Selektivbeschichtung kontinuierlich weiterentwickelt. Seit Jahren ist die sogenannte Mikro-Spottechnik erfolgreich in der Bandgalvanik im Einsatz. Eine Weiterentwicklung dieser Technik ist das von IMO patentierte MPP-Verfahren (Micro Precision Plating), mit welchem es möglich ist, ohne großen Aufwand Edelmetall an jeder beliebigen Position des Bands aufzubringen. Diese beiden Verfahren der Spottechnik-Familie haben nun durch die neue Makro-Spot-Technik Zuwachs bekommen. Diese ermöglicht es, noch kostengünstiger selektiv zu beschichten und dabei Edelmetall einzusparen.
Die Besonderheit der Makro-Spot-Technik liegt im Vergleich zu konventionellen Verfahren wie dem selektiven Tauchverfahren darin, dass Verbindungs- und Haltestege des Trägermaterials abgedeckt und somit nur die relevanten Flächen auf den Stanzbändern beschichtet werden. Ein weiterer Vorteil sind die größeren Abmessungen des Trägermaterials. Es können Bänder mit einer Breite von bis zu 15 Zentimeter und einer Materialstärke bis 0,8 Millimeter bearbeitet werden. Das Verfahren eignet sich zur selektiven Beschichtung von vorgestanzten Kontaktbändern mit Silber oder Gold.
„Die Energiekosten werden in den kommenden Jahren weiter steigen, gerade für einen Galvanikbetrieb ist daher der Stromverbrauch ein zentrales Thema“, erläutert Firmenchef Bernd Müller. Energiesparpotenziale müssten ausgeschöpft und stromsparende Anlagen installiert werden. Der durchschnittliche Stromverbrauch des Königsbacher Unternehmens liegt bei 28 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. „Gelingt eine Energieeinsparung von zehn Prozent könnten rechnerisch damit 790 private Haushalte mit Strom versorgt werden“, haben Auszubildende im Rahmen eines innerbetrieblichen Energieeffizienz-Projekts herausgefunden. Für sein vorbildliches Umweltkonzept wurde IMO im vergangenen Jahr als „Glanzlicht der Wirtschaft“ ausgezeichnet und auf der Hannover Messe 2012 für den Industriepreis nominiert. Konsequent arbeitet man an einer profitablen und ökologisch sinnvollen Entwicklung des Unternehmens. „Die Auszubildenden lernen gleich zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn einen verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen“, so Müller.
Autor: Lothar H. Neff I Königsbach-Stein






