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08.02.2010

Nach SAP-Führungswechsel: Vernichtende Kritik an Apotheker

WALLDORF. Europas größter Softwarehersteller SAP will mit einer internationalen Doppelspitze verlorenes Vertrauen der Kunden zurückgewinnen. Nach dem Rücktritt von Konzernlenker Léo Apotheker stehen die Vorstände für Vertrieb und Produktentwicklung, Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe, künftig als gleichberechtigte Vorstandschefs an der Spitze von SAP.

Apotheker hat nach nur neun Monaten an der Spitze des Softwarehauses das Handtuch geworfen. Gescheitert ist er offensichtlich am Streit über die künftige Strategie des führenden europäischen Softwareherstellers.

Ein weiterer Grund ist das massiv geschwundene Vertrauen der Belegschaft. Entscheidend für den schnellen Abgang des 56-Jährigen soll auch das belastete Verhältnis zu Aufsichtsratschef Hasso Plattner gewesen sein. Der SAP-Mitgründer gilt auch nach seinem Rückzug vom Vorstandsposten als der starke Mann im Hintergrund.

Apotheker, der fünf Sprachen fließend spricht, hatte den Weltmarktführer für Unternehmenssoftware in einer Phase übernommen, in der das erfolgsverwöhnte Unternehmens erstmals kräftig ins Trudeln geraten war. Es gab miese Geschäftszahlen in der weltweiten Wirtschaftskrise, einschneidende Sparmaßnahmen und erstmals in der Firmengeschichte ein stattliches Stellenstreichprogramm.

Dass Plattner nach bereits länger schwelender Kritik endgültig die Reißleine zog, hatte aber wohl doch andere Gründe. Zwei Flops werden Apotheker in seiner kurzen Amtszeit als gravierende strategische Managementfehler vorgeworfen: Die seit Monaten immer wieder verschobene Einführung der neuen Mittelstandssoftware „Business by Design“ und der heftige, imageschadende Streit mit Tausenden Kunden über höhere Wartungskosten.

Plattner erklärte zwar in einer Telefonkonferenz, es habe keine strategischen Differenzen mit Apotheker gegeben. Auch die Verzögerung der Mittelstandssoftware werde ihm nicht vorgehalten. Am späten Sonntagabend hatte der Chef des Kontrollgremiums den Personalwechsel aber noch folgendermaßen kommentiert: „Die Neuaufstellung der Unternehmensspitze soll die Produktinnovationen näher mit den Kundenanforderungen zusammenbringen.“ Übersetzt bedeuten diese dürren Worte eine vernichtende Kritik: SAP hat sich in den vergangenen Monaten von seinen Kunden entfernt.

Nicht weniger gravierend sind die Ergebnisse der jüngsten Mitarbeiterbefragung. Demnach hatte konzernweit nur noch jeder zweite Beschäftigte Vertrauen in den Vorstand, in Deutschland äußerte jeder dritte Mitarbeiter diese Kritik. Die Vorwürfe lauteten: Zu viel Arbeitsdruck und kaum noch neue Produkte, wie es im Betriebsrat heißt. Auch in der Führungsebene direkt unter dem Vorstand rumore es.