

PFORZHEIM. Einer der stolz behauptet, dass sein Unternehmen der reinste Zirkus ist, hat der PZ einen Einblick in das Wirtschaftsunternehmen Charles Knie gegeben: Sascha Melnjak (35). Sein Zirkus gastiert derzeit in Pforzheim.
Einen hohen sechsstelligen Betrag erwirtschaftet der Zirkus Charles Knie nach Angaben von Direktor Sascha Melnjak mit seinen 91 Beschäftigten im Jahr. Es gebe bei ihm keine Billig-Jobs, sondern nur versicherungspflichtige Saison-Beschäftigungsverhältnisse für die Zeit von März bis November mit Option auf die nächste Saison.
Dabei ist das Spektrum der Berufe sehr unterschiedlich: Vom Kraftfahrer, der auch für die Werkstatt zuständig sei, bis zu einer Schneiderin für die Kostüme reichen die Aufgaben dieses vielseitigen Unternehmens. Hinzu kommen Licht- und Tontechniker, Musiker, Kassen- und Verwaltungspersonal, Mitarbeiter für den Zeltaufbau und natürlich Artisten und Tierpfleger.
Das Wechselspiel zwischen harter Arbeit an den Tagen des An- und Abbaus und den stehenden Ovationen des Publikums, wenn die Zirkusleute den Lohn dieser Arbeit ernten, mache für ihn die Faszination des Zirkuslebens aus.
„Von einem anderen Unternehmen unterscheidet sich der Zirkus dadurch, dass er alle paar Tage an einem neuen Standort ist und die Beiträge, die an die Berufsgenossenschaft für die Mitarbeiter gezahlt werden müssen, aufgrund der höchsten Gefahrenklasse immens sind“, sagt Melnjak. Hinzu kämen außergewöhnlich hohe Werbekosten für Flyer oder den Postversand von Direktmailings, der in die Zigtausende gehe. „Neben Löhnen und Gehältern und Tierfutter sowie Stromkosten spielen auch die Platzmieten in den verschiedenen Städten eine große Rolle“, so der Direktor. „Bei diesen Preisen ist Pforzheim sehr human. In einer Stadt wie Frankfurt bezahlen wir das Fünf- bis Sechsfache“, sagt Melnjak.
Auch ein Zirkus-Unternehmen sei konjunkturellen Schwankungen unterworfen. „In einer Stadt, in der hohe Arbeitslosigkeit herrscht oder eine große Firma dichtgemacht hat, spüren wir den Umsatzrückgang deutlich“, erklärte er. Hinzu komme das Wetter als wichtiger Faktor: Bei einer Hitzewelle gehe kaum ein Bürger in den Zirkus. Auch Veranstaltungen wie die Fußball-WM wirkten sich negativ auf die Zirkusumsätze aus. Die Frage nach der Umsatzrendite beantwortet Melnjak so: „Im Winter und Frühling fallen pro Tag rund 1000 Euro Stromkosten für die Heizung an, im Sommer sind das zwischen 200 und 400 Euro, so dass sich große Unterschiede auch aufgrund anderer Faktoren ergeben. Am besten lässt sich unsere Erfolgsbilanz an den Investitionen in den vergangenen drei Jahren von weit über einer Million Euro ablesen“, sagt er.
Ein Ausbildungsbetrieb sei sein Zirkus nicht. „Zeit ist Geld im Zirkus – und da sind wir auf die Routine, Erfahrung und Schnelligkeit unserer Mitarbeiter angewiesen, die kaum Zeit für Einweisungen haben“, betont er. Qualitätsansprüche seien bei den Artisten vor allem moderne, zeitgemäße Nummern und bei allen Zirkusmitarbeitern besondere Flexibilität und „Nerven wie Drahtseile“. Und die habe er, sagt Melnjak.
Autor: Roger Rosendahl





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