

Daniel Akerson sieht aus wie der nette Nachbar von schräg gegenüber. Wie einer, der immer freundlich über den Zaun grüßt und mit dem man gerne mal ein Bier trinken würde. Nicht sonderlich aufregend, aber auf den ersten Blick sympathisch. Auf diesem unscheinbaren Mann lastet die wohl schwerste Bürde aller US-Manager: Er soll dem Steuerzahler sein Geld zurückbringen, ohne das GM untergegangen wäre. Heute tritt Akerson seinen Job an.
Mit aktuell noch gut 50 Milliarden Dollar steht der größte der drei US-Autokonzerne beim US-amerikanischen und kanadischen Steuerzahler in der Kreide. Gegen Ende des Jahres ist die Rückkehr an die Börse geplant. Akerson hat nur diese eine Chance, genügend Geld einzusammeln, um die Schuld seiner Vorgänger zu begleichen.
Akerson habe sich nicht gerade als Konzernchef aufgedrängt, stellte das renommierte „Wall Street Journal“ fest. Er besitzt zwar große Erfahrung in der Finanzindustrie und Telekombranche, hat aber keine Ahnung, wie man einen Autokonzern steuert. Das hatte sich in der Vergangenheit aber nicht unbedingt als Nachteil erwiesen - auch der direkte Vorgänger Ed Whitacre führte zuvor einen Telekomkonzern und brachte GM nach der Beinahepleite wieder in die Spur.
Nun übernimmt Akerson das Steuer. Der 61-Jährige gilt als enorm durchsetzungsstark und hat Erfahrung mit maroden Unternehmen. Er baute den Funkgeräte-Hersteller Nextel zum modernen Mobilfunkbetreiber um, sanierte den IT-Anbieter XO Communications und überblickte beim Finanzinvestor Carlyle ein multimilliarden Dollar schweres Sammelsurium an Firmen.
Er hat sich schon früh im GM-Verwaltungsrat Gehör verschafft - etwa, als der damalige Konzernchef Fritz Henderson einen milliardenschweren Verlust aus einer Finanzwette vor dem Kontrollgremium einräumte. Akerson war empört, dass auf der einen Seite jeder Cent zweimal umgedreht werden musste und auf der anderen Seite Geld zum Fenster rausgeschmissen wurde. Kurz darauf war Henderson weg vom Fenster.
Akerson hat den Ruf, entscheidungsfreudig zu sein, auch wenn es schmerzt. Er gilt als zupackend und lässt keine Ausflüchte gelten. Kritiker bemängeln allerdings, dass er gerne mal derart heftig mit anderen Managern aneinandergerate, dass die Situation eskaliere. Auch fehle ihm für den Chef eines so großen Konzerns das nötige Charisma. Er sei mehr ein Zahlenmensch. Akerson selbst nennt seinen Führungsstiel schlicht „direkt“.
Sachverhalte will Akerson so heruntergebrochen haben, dass er sie versteht. Denn das sei eines der größten Probleme der alten GM gewesen, sagt Akerson, dass vieles so kompliziert gewesen sei, dass die Manager selbst nicht mehr durchgeblickt hätten.
GM war ein Konglomerat aus einem Dutzend Marken, verteilt über alle Kontinente. Am Ende bekam die Konzernführung die ausufernden Personalkosten, die mangelnde Qualität und die überbordenden Schulden einfach nicht mehr in den Griff - GM musste Mitte 2009 Insolvenz anmelden, der Steuerzahler sprang rettend ein. Den Bürgern ihr Geld zurückzugeben, ist für Akerson eine Frage der Ehre.





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