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28.05.2009

Pforzheim braucht Macher - PZ-Redakteur Gerd Lache zur Arbeitslosenstatistik

Im Bemühen, die Arbeitslosenzahlen zu drücken, sind Bundesregierungen aller Couleur schon immer schier unerschöpflich in ihrem Einfallsreichtum gewesen. Nun werden also seit dem 1. Mai Jobsuchende, die von privaten Vermittlern betreut werden, nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik aufgeführt. An der Situation der Betroffenen ändert dies indessen nichts. Diese politisch motivierte Kosmetik ist eine Ohrfeige für jeden arbeitswilligen Stellensuchenden.

Auch Kurzarbeit, so sinnvoll sie sein mag, verdeckt die tatsächliche Situation. Gäbe es diese mit Steuergeldern finanzierte Maßnahme nicht, die Arbeitslosenquote wäre bei weitem höher. Beides hat die Stadt Pforzheim allerdings nicht davor bewahrt, mit der höchsten Arbeitslosenquote in Baden-Württemberg belastet zu sein. Die Probleme der Goldstadt sind nämlich weitaus größer, als dass sie vernebelt werden könnten.
Einmal abgesehen vom Strukturwandel: Weitere Gründe für das Pforzheimer Job-Drama sind einem Projektpapier der „Silverstars“ – eine städtische Initiative für Arbeitslose über 50 Jahren – zu entnehmen. Da heißt es beispielsweise, dass Pforzheim die geringste Arbeitsplatzdichte aller Großstädte aufweist. Zurückgeführt wird dies auf die geografische Lage zwischen den Großzentren Stuttgart und Karlsruhe. Das Verhältnis von Ein- und Auspendlern scheint dies zu belegen: In Pforzheim kommen auf 100 Auspendler gerade mal 163 Einpendler, bei anderen Großstädten liegt dieser Wert doppelt so hoch.
Die technologische Leistungsfähigkeit der Goldstadt liegt ebenfalls schwächer als im Durchschnitt. Zitat aus dem Papier: „Mit einem Indexwert von 19,3 liegt Pforzheim zum Teil erheblich unter dem der anderen Stadtkreise.“ Ein weiteres Problem: Die Sozialstruktur in Pforzheim ist durch einen hohen Anteil jener Ausländer und Aussiedler geprägt, die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben. Ein massives Einstellungshemmnis für einen Arbeitgeber. Der Migranten-Anteil in der Goldstadt liegt immerhin bei 30 Prozent.
All das zeigt: Die „rote Laterne“ für Pforzheim bei der Arbeitslosenstatistik muss weit mehr sein, als nur der schlichte Hinweis auf den letzten Platz. Es sollte das Signal für die Erkenntnis sein, dass mit Schönrederei alleine keine Besserung zu erzielen ist. Was diese Stadt dringend braucht, das sind Macher und keine Kosmetiker.