

BERLIN/PFORZHEIM. Ägyptens Weltwunder, tunesische Strände – die weltgrößte Reisemesse ITB steht auch im Zeichen der Unruhen in Nordafrika und dem Nahen Osten. Wie geht es weiter mit dem Tourismusgeschäft?
Tunesien, Ägypten und nun die blutigen Auseinandersetzungen in Libyen – die Freiheitskämpfe in der arabischen Welt breiten sich aus. Die weltgrößte Reisemesse ITB in Berlin steht bis zum Wochenende unter dem Eindruck des dramatischen Umbruchs in wichtigen Ferienregionen der arabischen Welt.
Die für Ägypten und Tunesien so bedeutende Tourismusbranche leidet schwer unter dem Ausbleiben der Touristen, langsam kehren sie aber zurück, das bestätigt auch Geschäftsführer Heribert Frey vom Pforzheimer Reisebüro im Gespräch mit der PZ. Zwar liegen die Buchungen noch deutlich unter dem Vorkrisen-Niveau, allerdings seien die Reiseveranstalter für den Sommer zuversichtlich. Sie hätten ihre Kapazitäten deshalb nicht reduziert.
Was geschieht angesichts der jüngsten Entwicklungen mit dem Tourismus in der Region, der so vielen Familien dort Einkommen und Existenz sichert? Manche Experten sehen jedoch die politischen Risiken noch steigen. Ob und wo der Flächenbrand weitergehen mag – mit dieser Frage beschäftigt sich auch die Reisebranche. Zudem wächst die Sorge, dass der durch Unruhen in Ölförderländern weiter steigende Ölpreis die Reisewirtschaft belasten könnte.
Nach Tunesien und Ägypten starten inzwischen wieder die Urlaubsflieger. Hotels, Reiseführer und Ausflugsagenturen warten sehnsüchtig auf die Rückkehr der Gäste und locken mit Schnäppchenpreisen. Allein nach Ägypten reisen jedes Jahr rund 12,5 Millionen Urlauber. Der Tourismus ist für das Land einer der größten Wirtschaftszweige.
Deshalb sei es für die Stabilisierung der Situation so wichtig, dass die Tourismuswirtschaft wieder in Schwung komme, sagt der parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Ernst Burgbacher. Auch für die europäische Reisewirtschaft gehören Ägypten und Tunesien zu den wichtigen Zielen, vor allem im Winter. Der Tourismusexperte von der Hochschule Harz, Karl Born, sieht es als entscheidend an, ob die Länder den Übergang zu einer neuen Ordnung friedlich hinbekommen. Dann habe Ägypten große Chancen, bereits im nächsten Jahr zu alter Stärke zurückzukehren. In Tunesien seien die Urlauber noch etwas mehr verunsichert. „Dort dürfte der Weg zur Normalität steiniger sein.“
Die Gefahr, dass der Funke der Freiheitsbewegung auf andere Länder am Persischen Golf und der arabischen Halbinsel überspringt und auch dort Aufruhr und Chaos verursacht, sieht Born eher als geringer an. „Das wäre sicher eine ganz neue Dimension“, sagt er. Zwar gibt es bereits Demonstrationen in mehreren Ländern – aber sie sind noch weit entfernt von Exzessen wie in Libyen. Arabische Länder wie Dubai oder auch der Oman und die Emirate stehen nach Erkenntnissen von Trendforschern bei Reisenden hoch im Kurs. Auch wenn es nicht überall riesige Urlauberströme, wie etwa in Ägypten gibt, sondern oft vor allem kleinere Gruppen mit Studienreisenden unterwegs sind – für viele Länder sind ihre touristischen Anziehungspunkte eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle.
Reiseexperten verweisen darauf, dass die Gäste immer wiedergekommen seien – sei es nach Anschlägen mit vielen Toten in Ägypten oder nach den eskalierenden Protesten in islamischen Ländern, die 2006 durch die Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen ausgelöst worden waren.
Autor: EVA Tasche





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