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07.05.2009

Ringen um Macht bei Porsche und VW geht weiter

STUTTGART. Die ungeklärte Machtfrage im künftigen Autoimperium aus VW und Porsche liefert neuen Zündstoff für Konflikte. „Es ist keine Hochzeit im Himmel, sondern eine Vernunftehe“, sagte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking nach dpa-Informationen vor rund 3000 Beschäftigten im Stammwerk Stuttgart-Zuffenhausen. Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück kündigte an, weiter für die Position der 12000 Beschäftigten des Sportwagenbauers in dem neuen Groß-Konzern zu kämpfen.

Der VW-Großaktionär Niedersachsen und die Vertreter der Arbeitnehmerseite betonten umgehend, dass sie beim Aufbau des neuen Konzerns mitreden wollen. „Wer immer etwas von Volkswagen will, der kommt an den Belegschaften nicht vorbei“, sagte der VW- Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh der Tageszeitung „Die Welt“ (Donnerstag). Aus der Staatskanzlei in Hannover hieß es, Niedersachsen erwarte, dass die Porsche-Eignerfamilien Porsche und Piëch sich mit dem Land über die künftige Eigentümerstruktur beraten.
Am Vortag hatten die Porsche-Eigentümerfamilien beschlossen, VW und Porsche unter dem Dach eines neuen Konzerns zusammenzuführen. Innerhalb von vier Wochen soll die Struktur ausgehandelt werden. Es blieb zunächst unklar, wer in dem neuen Konzern das Sagen haben wird. Auf jeden Fall ist aber der ursprüngliche Plan, dass Porsche VW übernimmt, damit endgültig vom Tisch. Porsche hält derzeit knapp 51 Prozent an VW und strebte die Marke von 75 Prozent an - hatte sich jedoch bei Aktienkäufen mit Milliardenschulden finanziell übernommen.
Porsche peile noch in diesem Jahr eine Kapitalerhöhung an, hieß es in Stuttgart. Mit einer Geldspritze von bis zu fünf Milliarden Euro sollten die Schulden abgebaut werden. Geld zuschießen sollen den Plänen zufolge die Stamm- und die Vorzugsaktionäre. Ein Einstieg neuer Investoren sei dagegen vorerst nicht geplant. Dies könne aber möglicherweise noch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, hieß es.

Nach Einschätzung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer kehrt nun wieder mehr Ruhe bei den beiden Herstellern ein. Alle Beteiligten müssten nun lernen, in Koalitionen auf Augenhöhe zu arbeiten. „Einen König gibt es in dieser Gruppe nicht mehr“ - auch wenn sich die Macht nun wieder etwas zu VW nach Wolfsburg verschoben habe.

Informierten Beobachtern zufolge gab es in den vergangenen Monaten erhebliche Differenzen zwischen dem VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und seinem Vetter Wolfgang Porsche, der dem Porsche- Aufsichtsrat vorsitzt. Das bereits seit mehreren Jahren andauernde Zusammenrücken von Porsche und VW wurde von vielen Konflikten begleitet. dpa