

FREUDENSTADT/PFORZHEIM. Wo liegt die Zukunft der touristischen Betriebe im Nordschwarzwald? Mit dieser Frage befasste sich die Tourismus-Akademie Baden-Württemberg anlässlich ihrer Feier zum zehnjährigen Bestehen.
„Komfort verbessern. Service optimieren. Erlebnisse inszenieren.“ Diese drei Kernforderungen für den Fremdenverkehr in der Region formulierte IHK-Geschäftsführer und Tourismus-Experte der Kammer, Martin Keppler, bei der Jubiläumsfeier der Tourismus-Akademie in Freudenstadt. Eben dort, wo vor zehn Jahren mit dieser Institution, so Keppler, „ein fulminanter Start“ gelungen war, trafen sich am Montag die Menschen der ersten Stunde gemeinsam mit Touristikern aus dem Nordschwarzwald: im Kongresshaus Freudenstadt.
Hauptredner damals war Ludwig Morasch, Buchautor und Experte für Erlebnismarketing. Sein Vortragsthema Thema: „Veränderungen beherrschen den Markt.“ Morasch behauptete vor einem Jahrzehnt: „Hotels sind keine Hotels mehr, Restaurants sind keine Restaurants mehr, der Kunde wird Mega-Surfer zwischen den Genüssen.“ IHK-Geschäftsführer Keppler sagte vor knapp 100 Festgästen: „Genau das ist passiert. Wenn Sie sehen, wer hier die hohen Zuwachsraten hat, dann sind es die inszenierten, die erlebnisorientierten, die themenorientierten Angebote mit Lifestyle-Charakter oder einer sehr starken persönlichen Betonung.“ Marketing bedeute „anders sein als die anderen, neue Wege müssen beschritten werden, Visionen , Kreativität, Lösungen sind gefragt“, machte der IHK-Touristiker deutlich.
Keppler appellierte: „Wir müssen uns im Nordschwarzwald mit dem Thema Natur klar positionieren. Das ist unsere wichtigste Ressource.“ Andreas Steinle, Geschäftsführer des Horx‘schen Zukunftsinstituts und Impulsredner der gestrigen Veranstaltung, schien dies zu bestätigen: Die Menschen hätten genug vom hypnotischen Dauerstress der Zivilisation, sie wollten vielmehr Sinngebung durch Einfachheit. Steinle nannte dies den „Abschied vom Firlefanz“. Luxus sei heutzutage nicht mehr die technisch hoch ausgerüstete Hotel-Suite und eine Schar von dienstbaren Kellnern. Sondern: „Luxus heißt, den ganzen Tag barfuß laufen zu können, Ruhe und Zeit für sich haben und Selbstbedienung“, sagte Steinle und nannte den Urlaub „Teil eines geänderten Lebens“, nämlich: Einfachheit, um das richtige Maß wieder zu entdecken, Natürlichkeit, um die eigene Natur wieder zu entdecken und Gesundheit um den eigenen Körper wieder zu entdecken.
Auch die Hoteldirektorin und gebürtige Pforzheimerin Vera Haueisen vom Baiersbronner Hotel Bareis bestätigte den Trend. Den Gästen bietet sie deshalb auf einem Bauernhof den Zugang zur Natur mithilfe einer Naturpädagogin und eines Waldpädagogen. Nichtsdestotrotz setzt das erfolgreiche touristische Baiersbronner Unternehmen auch auf neueste Kommunikationsmittel, wie etwa Internet. Vera Haueisen: „Die Mundpropaganda der Zukunft wird das Web 2.0 sein.“
Unterdessen wies der Presse- und Marketingchef der TMBW, Rainer Laubig, am Montag in Freudenstadt darauf hin, dass Baden-Württemberg nach Bayern den zweiten Platz bei der Tourismuswirtschaft in Deutschland belege. Während die Bayern mit ihrem touristischen Pfund bei jeder Gelegenheit wuchern, hat Laubig den Eindruck, dass im Südwesten ausschließlich der Automobil- und der Maschinenbau hervorgehoben werde. Sein Wunsch: „Der Tourismus in Baden-Württemberg sollte die Stellung bekommen, die er als Wirtschaftsfaktor verdient.“
Autor: Gerd Lache





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