nach oben
Der Karlsruher Vorstandsvorsitzende Andreas Lorenz Volksbank Karlsruhe
Der Karlsruher Vorstandsvorsitzende Andreas Lorenz Volksbank Karlsruhe
30.11.2016

Volksbank-Fusion: In Karlsruhe bleibt man gelassen

Fusionen kosten viel Kraft, die in der gegenwärtigen Situation insbesondere kleineren Instituten viel abverlangen könnten“, sagt Andreas Lorenz, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Karlsruhe. Bei einem Zusammenschluss ist es daher von Vorteil, wenn beide Partner über eine entsprechende Größe verfügen.

Das ist im Fall der Volksbanken Pforzheim und Karlsruhe gegeben. Beide sehen sich vor ihrer Haustüre großen Sparkassen gegenüber, die aufgrund ihrer deutlich höheren Bilanzsumme bessere Kostenstrukturen aufweisen. Dazu kommen zahlreiche eigenständige Genossenschaftsbanken im Umland.

„Ich wünsche den Kollegen bei der Schaffung einer Landbank zwischen Karlsruhe und Pforzheim viel Erfolg“, sagt Lorenz im Blick auf die angestrebte Fusion der Volksbanken Wilferdingen-Keltern und Stein-Eisingen, der Raiffeisenbank Bauschlott und der VR Bank im Enzkreis.

Der gelernte Bäcker- und Konditor kam übrigens erst im zweiten Anlauf in die Bankenwelt. 1983 begann Lorenz – der bald 57 Jahre alt wird – eine Banklehre, weil er sich mehr für Zahlen und Bilanzen interessierte als für schmackhaftes Backwerk. Sein Ziel: einmal Filialleiter zu werden. Seit 2013 führt er als Vorstandsvorsitzender die Volksbank Karlsruhe und hat jetzt sogar die Chance Chef einer fusionierten Genossenschaftsbank Pforzheim/Karlsruhe zu werden. Das könnte frühestens 2018 so weit sein, falls die begonnenen Sondierungsgespräche das gewünschte Ergebnis bringen und die Vertreterversammlungen grünes Licht geben. Mitbewerber für den künftigen Chefsessel ist der Pforzheimer Vorstandsvorsitzende Jürgen Zachmann (57). Warum die begonnenen Gespräche für Aufregung in der Goldstadt gesorgt haben, kann der Karlsruher Vorstandschef nicht ganz nachvollziehen. „Wir führen sachliche Gespräche um zu prüfen, ob beide Häuser zusammenpassen. „Jetzt schon zählen, messen und wiegen, macht keinen Sinn.“ Was letztlich dabei herauskomme, sei noch vollkommen offen. Zahlen über die Größenordnung eines möglichen Stellenabbaus seien reine Spekulation.

Sollten am Ende des Prozesses Synergieeffekte stehen, müsse man Einsparmöglichkeiten prüfen. „Es gibt ja nicht doppelt so viel Arbeit.“ Es werde keine Kündigungen geben, sondern man werde die natürliche Fluktuation nutzen, versichert Lorenz. „Wir werden dort einsparen, wo es der Kunde nicht merkt.“ Deshalb mache eine Fusion auch vor dem Hintergrund Sinn, im Falle des Ausscheidens eines Vorstands eben keine Nachfolgeregelung treffen zu müssen.

Lorenz: „Wir müssen Größe gestalten, um das Kleine zu erhalten.“ Durch die anhaltende Zinspolitik der Europäischen Zentralbank werden die Margen immer kleiner. Vielen Banken drohen in den kommenden Jahren rote Zahlen. „Das kann den Fusionsdruck weiter erhöhen.“ Auch die Zahl der Filialen steht auf dem Prüfstand. „Das Nutzungsverhalten der Kunden hat sich dramatisch verändert.“ Von 100 Kunden, die in eine Niederlassung kommen, wünschten weniger als zehn eine Beratung. Die Volksbank Karlsruhe habe darauf frühzeitig reagiert und einige Filialen fusioniert. Bewusst vermeidet Lorenz den Begriff „geschlossen“. Dabei sei die Kundennähe erhalten und Beratungsqualität durch größere Einheiten verbessert worden.