

PFORZHEIM. Die gute Nachricht: Es geht weiter und ein Großteil der Beschäftigten behält auch im neuen Jahr seinen Arbeitsplatz bei Colordruck. Allerdings müssen sich 53 Mitarbeiter im kommenden Jahr einen neuen Job suchen.
Diese Beschäftigten sind zunächst bis Jahresende freigestellt und erhalten am 31. Dezember (mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens) ihre Kündigungen, die mit einer Frist von maximal drei Monaten wirksam werden.
Entscheidung vor den Festtagen
Dieser „schmerzliche Schritt kurz vor Weihnachten“, wie es der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Reinhard Th. Schmid von der Stuttgarter Rechtsanwaltskanzlei Schiefer & Schmid anmerkte, sei unerlässlich um überhaupt eine Fortführung des angeschlagenen Druckereiunternehmens zu gewährleisten. In konstruktiver Atmosphäre sei darüber mit dem Colordruck-Betriebsrat ein Interessen- und Sozialplan ausgehandelt worden. „Wir wollten die Hängepartie und damit die Unsicherheit unter den Beschäftigten noch vor den Festtagen beenden“, erläuterte Schmid. Immerhin 110 Mitarbeiter, darunter acht Auszubildende, könnten weiterbeschäftigt werden.
Nach dem Verkauf an einen „strategischen Investor“ musste Colordruck Pforzheim im Oktober Insolvenzantrag stellen (die PZ berichtete). Dieser angebliche Finanzinvestor hatte sich als „Heuschrecke“ entpuppt, die die von der börsennotierten Arquana Druckholding AG erworbene Mehrheitsbeteiligung an Colordruck lediglich auf einen „Beteiligungsfriedhof“ transportierte, wie es gestern Insolvenzverwalter Schmid im Gespräch mit der PZ ausdrückte. „Das war verantwortungslos.“
Für die Weiterführung von Colordruck sieht Schmid indes gute Chancen: „Ich bin positiv gestimmt.“ Die Auftragslage sei gut und mit der verkleinerten Mannschaft sei 2008 eine wirtschaftliche Fortführung des Unternehmens möglich. Ein Umsatz von 20 Millionen Euro werde angestrebt.
Mitarbeiter üben Verzicht
Allerdings mussten auch die Beschäftigten für den Erhalt ihres Arbeitsplatzes Einschnitte in Kauf nehmen: Sie verzichten im kommenden Jahr auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld und arbeiten künftig 40 Wochenstunden ohne Lohnausgleich. Wichtig sei, dass die bestehenden Kunden „bei der Stange bleiben“. Die Gespräche liefen vielversprechend, auch was einen Großauftrag mit Reader’s Digest angehe, erläuterte Rechtsanwalt Schmid.
Im Januar werde er mit verschiedenen Investoren sprechen, die an einer Übernahme von Colordruck interessiert seien. „Wir sind nicht in Eile und werden die Verhandlungen ohne Druck angehen.“ Im Blick auf mittelfristig anstehende Investitionen in neue Druckmaschinen und Anlagen sei jedoch der Einstieg eines seriösen Investors wünschenswert.
Mit den Hedgefonds, die Colordruck mit dem Verkauf quasi an den Abgrund geführt hätten, habe man nun nichts mehr zu schaffen. Aufgrund des Auftragsbestands könne das Eutinger Traditionsunternehmen endlich aus eigener Kraft fortgeführt werden.
Autor: Lothar H. Neff





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