Hagel
Riesige Hagelkörner sind in Göppingen vom Himmel gefallen. 

100 Millionen Euro Schaden bei Unwetter im Südwesten: Pforzheimer Feuerwehr hilft

Reutlingen/Tübingen (dpa/lsw) - Das heftige Unwetter im Südwesten hat nach ersten Schätzungen einen Schaden von rund 100 Millionen Euro angerichtet. Die SV Sparkassenversicherung geht nach Angaben von Montag unter anderem von Schäden an 25 000 Gebäuden aus.

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100 Millionen Euro Schaden bei Unwetter im Südwesten

Demnach war es eines der größten Hagelereignisse der vergangenen Jahre. Rund 70 Menschen seien zudem leicht verletzt worden, sagte der Leiter der Feuerwehr Reutlingen, Harald Herrmann. Tennisballgroße Hagelkörner trafen am Sonntag vor allem die Regionen Tübingen und Reutlingen schwer. Eine noch kaum übersehbare Zahl von Fahrzeugen wurden beschädigt, viele Solaranlagen zerstört.

Auch die Pforzheimer Feuerwehr wurde am Montagmorgen vom Regierungspräsidium Karlsruhe zur Unterstützung angefordert. Gegen 9 Uhr rückte eine Einheit aus Pforzheim, bestehend aus einer Drehleiter, einem Rüstwagen und einem Gerätewagen mit zusätzlichen Dachlatten, PVC-Folie und Werkzeug nach Reutlingen aus. Die Kollegen der Berufs- und freiwilligen Feuerwehr werden in den späten Abendstunden zurück erwartet.

Die ersten in Reutlingen eingesetzten Kräfte der Berufs- und freiwilligen Feuerwehr berichteten nach ihrer Rückkehr von erheblichen Beschädigungen an den Gebäuden. Kaum mehr als solche erkennbaren Ziegeldächer boten keinerlei Schutz vor dem ununterbrochenen Regenfällen, welche alleine in den letzten 24 Std. bei Niederschlags-mengen von über 25 l/m² lagen.

Die Pforzheimer Feuerwehr war ausschließlich mit dem Aufbringen von Folien- oder Planenabdeckung der Dächer an verschiedenen Einsatzstellen, welche vom Führungsstab der Feuerwehr Reutlingen zugewiesen worden, beschäftigt. Mit Einbruch der Dunkelheit werden die Maßnahmen unterbrochen, da schon bei Tageslicht die Arbeiten im Dachbereich einen hohen Sicherungsaufwand für die auf dem Dach tätigen Einsatzkräfte notwendig machen.

In den Morgenstunden des 30.07. 2013 wird die aus einer Drehleiter, einem Rüstwagen und einem Gerätewagen Transport bestehende Einheit der Feuerwehr Pforzheim erneut in das Schadensgebiet aufbrechen.

Am frühen Morgen nahmen die Rettungskräfte in Reutlingen nach einer Unterbrechung in der Nacht ihre Einsätze wieder auf. «Die Schäden sind dramatisch», sagte Herrmann. Seit Sonntagabend seien gut 1500 Meldungen eingegangen aus der Stadt und dem Kreis Reutlingen. Sicherungs- und Abdichtungsarbeiten sollten noch mindestens bis in den Montagabend dauern. Die Aufräumarbeiten dürften länger dauern. In Rottenburg (Kreis Tübingen) verletzten sich am Montag bei Sicherungsarbeiten zwei Männer schwer.

Die Schäden für die Bauern im Land ließen sich noch nicht abschätzen, sagte eine Sprecherin des Bauernverbandes in Stuttgart. Kernobst wie Äpfel und Kirschen dürften gelitten haben. Auch Raps, der kurz vor der Ernte stehe, sei gefährdet. Die prallen Schoten könnten aufgeplatzt sein. Das gelte auch für Maisfelder, wo Sturmböen und Hagel ganze Schneisen geschlagen hätten.

Alle Hände voll zu tun, haben auch die Handwerker: Dachdecker, Glaser und Kfz-Werkstätten in Reutlingen und dem Großraum Stuttgart seien quasi rund um die Uhr im Einsatz, sagte eine Sprecherin des Baden-Württembergischen Handwerktags. Es würden bereits Firmen aus anderen Kreisen angefordert. Die Kreishandwerkerschaft Reutlingen habe eine zentrale Telefonnummer für Anfragen eingerichtet.

Auch Feuerwehren aus dem ganzen Land packten mit an, sagte Herrmann. Wegen des Regens stünden Straßen unter Wasser und Laub drohe Kanalschächte zu verstopfen. Betroffen waren auch Schulen und Kindergärten. Mehrere Betreuungsstätten mussten wegen der Schäden geschlossen werden. Es werde derzeit der Notbetrieb organisiert, sagte Herrmann. Besonders die Ludwig-Krapf-Schule in Tübingen sei schlimm betroffen, wie die Stadt mitteilte. «Ich bin sehr beeindruckt von der professionellen und äußerst effizienten Hilfeleistung und vom großartigen Engagement der zahlreichen Helferinnen und Helfer», erklärte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne).

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte für Montagnachmittag vor Unwettern mit heftigem Starkregen in Baden-Württemberg gewarnt. Es drohten lokale Sturzfluten. Auf dem Feldberg im Schwarzweld verzeichneten die Meteorologen binnen 24 Stunden 90 Liter Regen auf dem Quadratmeter. Nach Angaben des Internetportals «Wetteronline» fielen in Stuttgart in der gleichen Zeit 55 Liter Regen.

Daher mussten die Helfer auch in der Region rund um die Landeshauptstadt häufig ausrücken. In Ludwigsburg gingen die Notrufe im Minutentakt ein, wie die Polizei am Montag mitteilte: Umgestürzte Bäume, ausgehobene Gullideckel und überflutete Straßen. Bei Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) stürzten ebenfalls Bäume um, ein Autofahrer kam wegen Aquaplanings in Schleudern und prallte mit dem Auto gegen eine Leitplanke.

Rund 30 Kilometer von der Landeshauptstadt entfernt, kam es in Unterreichenbach (Kreis Calw) zu einem Erdrutsch an der Bundesstraße 463. Wegen des Regens hatten sich Erde und Geröll gelöst, der Verkehr musste umgeleitet werden. In Rangendingen bei Balingen (Zollernalbkreis) liefen unter anderem rund 60 Keller voll. Einsätze gab es auch in Göppingen.

Die Stadt Freiburg meldete nach 24 Stunden Dauerregen Hochwasser an der Dreisam, einem Zufluss der Elz. Die Uferwege seien gesperrt worden. Am Dienstag aber sollten die Wege wieder geöffnet sein.

In Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen) nutzte ein Dieb Hagelschäden an der Frontscheibe eines Auto aus und nahm das Autoradio mit.