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Die Montagsdemo in Stuttgart gegen das Bahnprojekt S21 fand wieder mehrere Tausend Teilnehmer.
Die Montagsdemo in Stuttgart gegen das Bahnprojekt S21 fand wieder mehrere Tausend Teilnehmer. © dpa
22.11.2011

100. Montagsdemonstration gegen Stuttgart 21

Stuttgart. Bei der 100. Montagsdemonstration haben tausende Menschen gegen das Milliarden-Vorhaben Stuttgart 21 protestiert. 11.000 bis 12.000 Kritiker fanden sich nach Veranstalterangaben wenige Tage vor der Volksabstimmung zu Stuttgart 21 mit Plakaten, Laternen und Fahnen an der Nordseite des Stuttgarter Hauptbahnhofes ein. Die Polizei sprach von 5000 Teilnehmern. Die Sprecherin des Bündnisses gegen Stuttgart 21, Brigitte Dahlbender, wertete die hohe Teilnehmerzahl als Zeichen für den Erfolg der Kampagne «"Ja" zum Ausstieg».

Am 27. November stimmen die Baden-Württemberger über den Gesetzentwurf der grün-roten Landesregierung zum Ausstieg des Landes aus der Finanzierung von Stuttgart 21 ab. Dahlbender kritisierte die immer neuen Kostenangaben für Stuttgart 21, die laut Bahn derzeit bei 4,1 Milliarden Euro liegen. Zudem habe Ex-Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) die voraussichtlichen Kosten von sechs Milliarden Euro vor dem Vertragsabschluss gekannt und nicht bekanntgegeben. «Das nenne ich Betrug am Bürger.»

Sie warnte davor, der Bahn zu glauben, dass die Hochgeschwindigkeitstrasse nach Ulm bei einem Aus für Stuttgart 21 nicht gebaut werde. Diese Entscheidung treffe allein der Bundestag und nicht der Bahnkonzern, betonte die Landeschefin des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). «Die Neubaustrecke kommt auch ohne den Tiefbahnhof.»

Stuttgart 21 umfasst vor allem die Umwandlung des Stuttgarter Hauptbahnhofes in eine unterirdische Durchgangsstation und deren Anbindung an die Trasse nach Ulm. Dahlbender plädierte stattdessen für einen modernisierten Kopfbahnhof (K 21). Dieses Projekt sei leistungsstärker, bürgerorientierter, umweltschützender und sparsamer als das Vorhaben, das von der Bahn, der CDU, FDP sowie großen Teilen der SPD und der Wirtschaft unterstützt wird.

Von den seit zwei Jahren währenden Demonstrationen für K 21 gehe auch ein Signal an die Politik aus, dass Bürger bei Großprojekten künftig mehr Offenheit und Ehrlichkeit einfordern würden.

Ende Oktober 2009 fand in Stuttgart die erste Montagsdemonstration mit fünf Teilnehmern statt. Seitdem versammelten sich fast an jedem Montag Menschen zum Protest am Stuttgarter Bahnhof. dpa