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Drei junge Erwachsene haben einen 19-Jährigen wie einen Sklaven gehalten und ihn erpresst.
Drei junge Erwachsene haben einen 19-Jährigen wie einen Sklaven gehalten und ihn erpresst. © dpa
04.10.2011

19-Jährigen wie Sklaven behandelt und erpresst

Spaichingen. Zwei junge Männer im Alter von jeweils 20 Jahren und eine junge Frau von 19 Jahren sind von der Polizei wegen dringenden Verdachts des erpresserischen Menschenraubes festgenommen worden. Sie hatten einen 19-Jährigen wie einen Sklaven behandelt, brutal geschlagen und erniedrigt, und ihn gezwungen, ein Handy und einen Laptop zu kaufen und dann an das Trio abzugeben.

Auf Weisung der Staatsanwaltschaft Rottweil wurden die drei Tatverdächtigen dem Haftrichter vorgeführt. Dieser ordnete für alle die Untersuchungshaft  an.

Ein 19 Jahre alter Heranwachsender aus dem Ortenaukreis lernte über das Internet eine junge Frau im selben Alter aus Spaichingen kennen. Nach dem Kontakt per Internet kam es auch zu gegenseitigen Besuchen. Im Juli sollte es wieder zu einem Treffen kommen. Die junge Frau holte den 19-jährigen Bekannten zusammen mit ihren beiden Freunden am Bahnhof ab. Gemeinsam suchten sie die Wohnung eines der beiden 20-Jährigen auf.

Dort wurde der 19-Jährige aus der Ortenau nach vorausgegangenem Streit unter Androhung von Schlägen gezwungen, die ganze Wohnung und danach noch eine weitere Wohnung sauber zu machen. Nachdem dies geschehen war, zwangen sie ihn mit zur Freizeitanlage „Ententeich “ zu gehen. Dort  angekommen schlugen und traten alle drei, die beiden 20 Jahre alten Männer und die 19-Jährige, gemeinsam auf den jungen Besucher ein und erniedrigten ihn auch. 

Nachdem sie ihn übel zugerichtet hatten, zwangen sie ihn wieder mit in ihre Wohnung zu kommen. Dort durfte er die Nacht  in einer Ecke auf dem Boden verbringen. Am nächsten Morgen musste er dem Trio in die Stadt folgen, wo er unter massivem Druck gezwungen worden war, auf seinen Namen in einem Telefon-Shop einen Handyvertrag abzuschließen und damit zugleich ein Handy zu erwerben. Das Handy wurde ihm aber sogleich von einem der  beiden 20-Jährigen in Beschlag genommen. 

Im Anschluss wurde das Opfer von den Tatverdächtigen gezwungen sie nach Tuttlingen zu  begleiten, wo er unter Androhung von Gewalt wiederum genötigt wurde, unter seinem Namen ein Laptop zu kaufen. Hierzu suchten sie zunächst ohne Erfolg mehrere Geschäfte auf. Beim letzten ging der Plan der Tatverdächtigen  auf. Der 19-Jährige schloss in dem Geschäft auf seinen Namen und unter Zwang einen Ratenvertrag ab und erhielt dafür ein Laptop sowie einen Surfstick. Beide Gegenstände musste er sofort an seine  Begleiter herausrücken.

Nach dieser Tour kehrten sie nach Spaichingen zurück. Erneut wurde er zum Ententeich geführt, wo alle drei wiederum gemeinsam und völlig grundlos auf ihn einschlugen. Selbst als er bereits  am Boden lag, traten sie mit den Füssen auf ihn ein. Damit nicht genug, zogen sie ihn auch noch auf eine Brücke und über das Geländer und ließen ihn dort eine Zeit lang von oben mit dem Kopf nach unten hängen. Hierzu hielten die beiden Tatverdächtigen den 19-Jährigen an seinen Füßen fest, während die junge  Frau zuschaute. Obwohl sie ihm gegenüber auch andeuteten, ihn fallen zu lassen, zogen sie ihn nach einiger Zeit wieder nach oben zurück. 

Schließlich musste er mit seinen „Freuden“ wieder in deren Wohnung zurückkehren, wo er abermals in erniedrigender Weise die Nacht sklavisch in einer Ecke auf dem Fußboden verbringen musste. Fliehen konnte er nicht, was ihm auch zuvor nicht möglich gewesen wäre. Am Tag darauf ließ das Trio ihn dann aber doch frei.

Er fuhr umgehend mit dem Zug in seine Heimatstadt und suchte dort zuerst das  Krankenhaus auf, wo er umgehend  ambulant behandelt wurde, von den psychischen Verletzungen, die er ebenso erlitten hat, abgesehen. Daraufhin erstattete er bei der dortigen Polizei Strafanzeige gegen seine Peiniger. 

Die Polizei Spaichingen, die umgehend informiert worden war, suchte sofort die besagte Wohnung in der Stadtmitte auf. Die Tatverdächtigen und zugleich die letzten Wohnungsinhaber hatten in der Zwischenzeit  aber bereits das Weite gesucht. So trafen die Polizeibeamten auf eine verlassene, aber total vermüllte Wohnung. Die Polizei leitete deshalb gegen alle drei, die, wie sich später herausstellte, fortan als Obdachlose im Freien und unter Brücken nächtigten, eine Fahndung ein. In den darauf folgenden Tagen und Wochen griff die Polizei Tuttlingen  alle drei Tatverdächtigen nacheinander auf und nahm sie fest. pol