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33 Jahriger soll Mittbewohner im Maßregelvollzug getötet haben
20.01.2015

33-Jähriger soll Mitbewohner im Maßregelvollzug getötet haben

Weinsberg. Tötungsdelikt in der Psychiatrie: Ein 60 Jahre alter Patient ist im Maßregelvollzug in Weinsberg (Kreis Heilbronn) umgebracht worden. Wegen der «Gesamtumstände» richte sich der Tatverdacht gegen den 33 Jahre alten Mitbewohner des Mannes, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Der Vorfall ist laut Klinik einmalig - hat aber sowohl die Landesregierung als auch die Opposition auf den Plan gerufen.

Die Leiche des 60-Jährigen habe, als sie am Montagabend entdeckt wurde, massive Kopfverletzungen aufgewiesen, sagte ein Sprecher der Polizei. Das Klinikpersonal habe noch versucht, den Mann wiederzubeleben - erfolglos. Der genaue Tathergang werde noch ermittelt.

Der Sprecher machte keine Angaben zur Art der Kopfverletzungen und auf welchem Weg diese entstanden sein könnten. Die Leiche soll obduziert werden. Ein vorläufiges Ergebnis könnte am Mittwoch vorliegen. Die beiden Männer hatten den Angaben nach seit ein paar Wochen zusammengewohnt. Bis zu dem Vorfall habe es keine Streitigkeiten gegeben.

Die für den Maßregelvollzug zuständige Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) forderte laut ihrem Sprecher vom Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Weinsberg einen ausführlichen Bericht über die bisherige Situation der beiden psychisch kranken Straftäter in der Forensik. Nach vorliegenden Berichten waren sie in der üblichen Doppelbelegung in einem Zimmer untergebracht. Zur Tatzeit sei die Station personell «normal» besetzt gewesen, eine Überbelegung bestand nicht. Unklar blieb aber, ob die beiden Männer zur Tatzeit alleine in einem Raum waren und ob dieser verschlossen war.

Laut ZfP werden am Weissenhof 100 Patienten in der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie behandelt. Die Geschäftsleitung sprach den Angehörigen des Getöteten ihr tiefstes Beileid aus. «Ich kann Ihnen als Ärztlicher Leiter des Klinikums und Chefarzt der betreffenden Klinik versichern, dass wir alles in unserer Macht stehende tun, um den Vorfall lückenlos aufzuklären», erklärte Matthias Michel laut Mitteilung. «Wir arbeiten dabei eng mit der Polizei und den zuständigen Behörden zusammen.»

Beim Maßregelvollzug geht es um die Unterbringung von psychisch kranken oder suchtkranken Straftätern. Ziel ist, den Schutz der Bevölkerung und eine Therapie der Patienten zu gewährleisten. Dabei kann es zu Angriffen, Suiziden oder Selbstmordversuchen kommen. Das Sozialministerium erhebt dazu keine Statistik, wie der Sprecher mitteilte. An ein Tötungsdelikt in den vergangenen Jahren konnte er sich aber nicht erinnern.

Der Getötete war den Angaben zufolge seit etwa einem Jahr wegen eines Kapitaldeliktes im Maßregelvollzug untergebracht, wie die Ermittler ohne nähere Angaben mitteilten. Der mutmaßliche Täter ist wegen mehrerer verschiedener Delikte bekannt. Er kam bis auf weiteres in einem geschlossenen, separaten Bereich der Klinik unter. Nach Angaben des Sozialministeriums war er bisher sehr unauffällig und galt als sehr absprachefähiger Patient.

FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke verlangte eine gründliche Untersuchung. Bei der Aufklärung der Tat sei auch zu prüfen, ob im Umgang mit dem Täter innerhalb des Maßregelvollzuges Fehler gemacht wurden, betonte er. «Denn wenn ein Mensch auf unnatürliche Weise in der Obhut des Staates stirbt, wurde der Staat seinen Schutzpflichten nicht gerecht. Dies muss die Frage nach Versäumnissen aufwerfen.»