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Hadhrat Mirza Masroor Ahmad, der fünfte Kalif der Muslime und Oberhaupt der weltweiten Muslimvereinigung Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ), nimmt in Karlsruhe am Jahrestreffen der AMJ teil. © dpa
13.06.2014

35.000 Ahmadiyya-Muslime wollen Friedenszeichen setzen

«Liebe für alle, Hass für keinen»: Unter diesem Motto treffen sich die Ahmadiyya-Muslime aus Deutschland an diesem Wochenende in der Karlsruher Messe. Fast alle Mitglieder der Gemeinschaft sind angereist. Sie haben vor allem einen Wunsch.

Bildergalerie: Moschee-Eröffnung mit Kalif Mirza Masro

Muslime müssen offensiv gegen das Image des Islams als gewaltbereite Religion angehen. Das hat der Vorsitzende der Muslimvereinigung Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ), Abdullah Wagishauser, am Freitag in Rheinstetten bei Karlsruhe gefordert. «Wir müssen durch Aufklärung und Bildung den Salafisten den Wind aus den Segeln nehmen.» Voraussetzung dafür sei, dass die islamischen Gruppen miteinander ins Gespräch kämen. «Es gibt erste hoffnungsvolle Ansätze, aber wir müssen uns noch etwas Zeit geben.» Die AMJ organisiert von Freitag bis Sonntag ihr Jahrestreffen auf dem Messegelände unter dem Motto «Liebe für alle, Hass für keinen». Dafür sind fast alle ihrer 35.000 deutschen Mitglieder angereist. Hinzu kommen Gäste aus allen Teilen der Welt. Die kirchentagsähnliche Veranstaltung gilt als größte Muslim-Zusammenkunft in Europa.

Eine Möglichkeit zum Dialog bietet für Wagishauser die Deutsche Islam Konferenz. «Früher war dort ein Hauen und Stechen, jetzt ist es ein sehr konstruktives Miteinander.» Allerdings gebe es - wie in anderen Religionen auch - große Unterschiede zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen. Um diese Gräben friedlich zu überwinden, brauche es Zeit.

Den Krieg im Irak bezeichnete Wagishauser als herben Rückschlag. «Es ist traurig zu sehen, dass Muslime Muslime bekämpfen.» Bei den Kämpfen gehe es aber weniger um Religion als um politische und ökonomische Machtfragen.

Diskutiert werde auf dem Treffen auch die Verfolgung des AMJ in vielen muslimisch geprägten Staaten. Dafür habe er kein Verständnis, sagte Wagishauser. Für die Ahmadiyya-Muslime sei die Liebe zum Land, in dem sie lebten, Teil des Glaubens. Auch dem deutschen Staat stünden sie loyal gegenüber. «Deshalb wird bei uns, wenn wir eine Moschee bauen, auch nicht mehr der Verfassungsschutz angefragt.» Die Gemeinschaft hat inzwischen etwa 40 Moscheen in Deutschland errichtet. In Hessen und Hamburg ist sie als Körperschaft des öffentlichen Rechts den christlichen Kirchen gleichgestellt.

Als einer der Höhepunkte des Treffens bezeichnete Wagishauser die Rede des weltweiten Oberhauptes der Gemeinschaft, Kalif Hadhrat Mirza Masroor Ahmad, am Samstag. Thema sei der Begriff des Dschihads. «Dieser Begriff bedeutet eben nicht Heiliger Krieg, sondern die Anstrengung, ein besserer Mensch zu werden», erläuterte der Bundesvorsitzende. «"Der große Dschihad" ist kurz gefasst der Kampf gegen den inneren Schweinehund und nur "der kleine Dschihad" thematisiert die Verteidigung gegen Feinde.»