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Symbolbild: dpa
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11.10.2018

42-Jährige soll Sohn vergewaltigt haben – Gutachter sind uneins

Aalen. Mehr als zehnmal soll eine Mutter ihren leicht geistig behinderten Sohn im Kindesalter sexuell missbraucht haben. Das gab der Junge bei einer aufgezeichneten Videovernehmung zu Protokoll. Sie wurde am Donnerstag im Prozess gegen die 42 Jahre alte Frau vor dem Amtsgericht Aalen vorgeführt. Zuletzt sei er von der Mutter im Alter von zwölf Jahren zum Geschlechtsverkehr gezwungen worden, berichtete das mutmaßliche Opfer bei der Vernehmung durch einen Ermittlungsrichter im März 2016 im Polizeipräsidium Ellwangen.

Die Glaubwürdigkeit und Verwendbarkeit der Aussage beurteilten Gutachter jedoch unterschiedlich. Beim Sex will der heute 18-Jährige von der Mutter gefesselt worden sein. Sie habe sich auf ihn gesetzt. Eine Reihe weiterer mutmaßlich angewandter Sexualpraktiken kamen zur Sprache. Der Sohn, der laut Gutachtern eine leichte bis deutliche Intelligenzminderung und Persönlichkeitsstörung hat, war nicht anwesend.

Der Rechtsanwalt der Mutter, Peter Hubel, bezeichnete das Vernehmungsvideo unter Hinweis auf dessen schlechte technische Qualität als „völligen Müll“. Die Aussage des mutmaßlichen Opfers sei kaum verständlich. Staatsanwalt Ulrich Karst hingegen hält entscheidende Aussagen für ausreichend verständlich, wie er erklärte. Der Gutachter Josef Rohmann bemängelte, dass wichtige Einzelheiten zum angeblichen Sex mit der Mutter in den Zeugen hineingefragt und nicht von allein von ihm geschildert worden seien: „Diese Art und Weise der Befragung ist fragwürdig.“ Die Gutachterin Judith Arnscheid, die bei der Videovernehmung anwesend war, sagt hingegen, die Anschuldigungen wirkten wahrheitsgetreu.

Umstritten sind in diesem Verfahren auch Angaben des mutmaßlichen Opfers, wonach es befürchtet haben will, der Vater seines 2013 geborenen Bruders zu sein. Ein Vertreter des Jugendamtes, das den Jungen seinerzeit wegen Kindeswohlgefährdung in eine Pflegefamilie gegeben hatte, schloss das jedoch aus. Die Angeklagte bestreitet alle Vorwürfe vehement. Sie sei ohnehin lesbisch und habe kein Interesse an Sex mit Männern.