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Ausstieg: 470 Mitglieder der rechtsextremistischen Szene sollen laut Landesinnenminister Reinhold Gall (SPD) im Südwesten aus dem braunen Sumpf ausgestiegen sein.
Ausstieg: 470 Mitglieder der rechtsextremistischen Szene sollen laut Landesinnenminister Reinhold Gall (SPD) im Südwesten aus dem braunen Sumpf ausgestiegen sein. © Symbolbild: dpa
22.07.2013

470 Rechtsextreme im Südwesten steigen aus

Rund 470 Mitglieder der rechtsextremistischen Szene im Südwesten sind in den vergangenen Jahren ausgestiegen. Dies berichtete Landesinnenminister Reinhold Gall (SPD) in Stuttgart auf Anfrage. «Wir müssen verhindern, dass junge Menschen Rechtsextremisten auf den Leim gehen und sich deren verblendete Weltanschauung zu eigen machen.»

Notwendig sei Aufklärung und Zivilcourage gegen «rechtsextreme Rattenfänger», erklärte er weiter. Seit dem Jahr 2001 gibt es im Land die Beratungs- und Interventionsgruppe gegen Rechtsextremismus (BIG Rex), die Ulrich Bäuchle vom Landeskriminalamt leitet. «Bis sich jemand für einen Ausstieg entscheidet, kann es länger dauern. Das zieht sich manchmal hin», wie Bäuchle berichtete. Mit Hilfe des Programms hätten über 160 Personen der rechten Szene den Rücken gekehrt.

«Das Besondere ist, dass wir die Leute offensiv ansprechen. Das sind Menschen, von denen wir wissen, dass sie Kontakt mit der Szene haben. Da arbeiten wir eng mit der Polizei vor Ort zusammen.» Dabei würden die Betroffenen unangemeldet daheim aufgesucht. Zuletzt habe es solche direkten Ansprachen in der Umgebung von Stuttgart gegeben.

Seit 2001 seien 2200 Menschen aus dem rechtsextremen Milieu angesprochen worden. «Ein Großteil der Leute, mit denen wir es zu tun haben, ist Mitte bis Ende 20 Jahre alt. In der Regel handelt es sich um Männer.» Im vergangenen Jahr habe es zehn Aussteiger gegeben. «Wir überprüfen, ob der Wille für den Ausstieg da ist. Das sieht man beispielsweise daran, ob ein neuer Freundeskreis aufgebaut wird oder eine neue Handy-Nummer zulegt worden ist.»

Auch die Löschung des Facebook-Accounts sei ein Hinweis. Es gehe oftmals schon mit anderer Kleidung los. «Wir arbeiten in einem Netzwerk. Bei gewalttätigen Leuten vermitteln wir beispielsweise einen Platz bei einem Anti-Aggressions-Training. Ist Alkohol im Spiel wird an die Suchtberatung vermittelt.» Die Betreuung dauere bis zu zwei Jahren. Ein Jobwechsel oder ein Umzug sei eher selten. Die Rückfallquote sei niedrig. Sie liegt bei zwei bis drei Prozent, sagte Bäuchle und stellte klar: «Wir haben keine finanziellen Möglichkeiten, die Leute zu unterstützen.»

Gall erklärte: «Sicherheitsbehörden können die Symptome und Folgen von Extremismus und Terrorismus bekämpfen, aber nur bedingt die Entstehungsbedingungen und das Klima, das sie begünstigt.» Die Bekämpfung des Rechtsextremismus sei eine Aufgabe für Jeden und Jede von uns, erklärte Gall.