nach oben
62 Männer und eine Frau sind in Baden-Württemberg in Sicherheitsverwahrung.
62 Männer und eine Frau sind in Baden-Württemberg in Sicherheitsverwahrung. © dpa
29.11.2012

63 Straftäter in Baden-Württemberg in Sicherheitsverwahrung

Freiburg/Karlsruhe. Nahezu alle Sicherungsverwahrten in Baden-Württemberg - darunter eine Frau - sind zentral in Freiburg untergebracht. Die dortige Zentralstelle bei der Justizvollzugsanstalt (JVA) nimmt bundesweit eine Spitzenposition ein. Sie ist zurzeit die Einrichtung mit den meisten Sicherungsverwahrten.

Wie viele Sicherungsverwahrte gibt es in Baden-Württemberg?

Nach Angaben des Justizministeriums in Stuttgart leben in Baden-Württemberg derzeit 63 Menschen in Sicherungsverwahrung, darunter eine Frau. Nur in einem der Fälle wurde die Sicherungsverwahrung nachträglich verhängt.

Wie sind Sicherungsverwahrte untergebracht?

Früher lebten sie im normalen Strafvollzug. Das wurde vom Bundesverfassungsgericht jedoch beanstandet. In Freiburg wurde daraufhin eine neue Zentralstelle eingerichtet, in der rund 50 der Sicherheitsverwahrten untergebracht sind. Sie hat eine Kapazität von etwa 70 Plätzen.

Was ist der Unterschied zum Strafvollzug?

Die Zentralstelle ist von der JVA abgetrennt. Die Insassen kommen mit den regulär Inhaftierten nicht in Kontakt. Im Vordergrund stehen Betreuung und Therapie. Ziel ist es, die Sicherungsverwahrten auf ein Leben in Freiheit vorzubereiten. Die Sicherheitsvorkehrungen entsprechen allerdings denen eines Gefängnisses.

Ehemalige Sicherungsverwahrte in Freiheit sorgen regelmäßig für Schlagzeilen. Auch in Freiburg?

Im Gegensatz zu anderen Städten gibt es in Freiburg keine Proteste gegen die Ex-Sicherungsverwahrten. Unter Druck steht aber die Polizei. Seit der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die rückwirkende Verlängerung der Sicherungsverwahrung für unzulässig erklärt hat, musste sie zeitgleich bis zu sieben aus der Sicherungshaft entlassene Gewalt- und Sexualtäter rund um die Uhr bewachen, weil diese weiterhin als gefährlich galten. Rund 180 Polizisten waren dafür notwendig.

Hat sich daran etwas geändert?

Einige der Betroffenen sind inzwischen aus Freiburg weggezogen. Andere kamen wieder hinter Gitter, weil sie von Gerichten als gefährlich eingestuft wurden. Derzeit gibt es in Freiburg nach Angaben der Polizei noch einen Ex-Sicherungsverwahrten, der rund um die Uhr von der Polizei beobachtet wird.